Ulrich Stadler

Ulrich Stadler stammte aus Südtirol (Stulves bei Sterzing) und ist wohl durch die Täufermission, die im Gefolge des Wirkens von Hans Hut aus dem Inntal auch über die Alpen nach Italien drang, Ende der zwanziger Jahre für das Täufertum gewonnen worden. Bald musste er seine Anstellung im Bergbau zu Sterzing aufgeben und floh nach Mähren, wo er sich der Gemeinde in Austerlitz anschloss. Von 1535 bis 1537 leitete er eine Gemeinde in Polen. 1537 trat er den hutterischen Brüdern in Bucovice (Mähren) bei, wurde Vorsteher und starb 1540. Stadler war nächst Peter Riedemann wohl der bedeutendste der hutterischen Täufer, deren Schriften uns überliefert sind.

Eine liebe Unterrichtung Ulrich Stadlers (ca. 1539) Von wahrer Gemeinschaft der Heiligen

Es ist eine Gemeinde aller Gläubigen in Christus und eine Gemeinschaft aller heiligen berufenen Kin­der Gottes. Die haben einen Vater im Himmel, einen Herrn Christus, sind alle mit einem Geist getränkt und versiegelt im Herzen, haben einerlei Sinn, Mei­nung, Herz und Seele, als die von einem Brunnen alle getrunken haben, erleben einerlei Kampf, Kreuz, Be­währung und erwarten schließlich ein und dieselbe Hoffnung in der Herrlichkeit. Sie, das heißt eine solche Gemeinde, muss aber in dieser Welt arm, elendig, gering und verworfen herumziehen, obgleich die Welt ihrer nicht wert ist. Wer nach hohen Din­gen trachtet, gehört nicht hinein. So muss es auch in dieser Gemeinde gleich zugehen, alles eins und gemein­sam sein, auch in leiblichen Gaben ihres Vaters im Himmel, die er täglich den Seinen gibt, sie nach sei­nem Willen zu gebrauchen. Denn wie reimt es sich, dass alle die, die ein Erbe im Reich ihres Vaters zu erwarten haben, auf dieser Wallfahrt mit den leib­lichen Gütern und Gaben des Vaters nicht zufrieden sein sollten? Urteilt, Ihr Heiligen Gottes, die Ihr miteinander so wahrhaftig in Christus eingepflanzt und mit ihm der Welt, der Sünde und Euch selbst abgestorben seid, so dass Ihr fortan nicht mehr der Welt oder für Euch lebt, sondern dem, der für Euch gestorben und auferstanden ist, Christus. Sie haben sich auch in Christus Gott dem gnädigen Vater er­geben, aufgeopfert und vertraut, gelassen, freiwillig, nackt und bloß sich ihm geschenkt, seinen Willen zu dulden und zu leiden, auch zu erfüllen, und sie haben sich hernach auch allen Kindern Gottes in Gehorsam und Dienst begeben. Daher leben sie auch friedlich, einig, lieblich, freundlich und brüderlich als Kinder eines Vaters beieinander, wo ihnen der Herr einen Ort gönnt, und sollten auf ihrer Wallfahrt mit den leiblichen Gütern und Gaben ihres Vaters zufrieden sein, weil sie auch alle einerlei Leib und Glieder untereinander sein sollten.

Wenn dann nun ein jedes Glied dem ändern seine Hilfe entzieht, so muss der Leib wohl in Trümmer gehen. Die Augen sehen nicht mehr, die Hände greifen nicht zu. Wo aber ein jedes Glied seine Hilfe in mancherlei Gestalt dem ganzen Leib in gleicher Weise zukommen lässt, da wird er erbaut und wächst, da ist Friede und Einigkeit, ja, ein Glied sorgt für das an­dere. Kurz, gleiche Sorge, Traurigkeit, Friede und Freude sind vorhanden. So auch im geistlichen Leib Christi: Wenn der Diener der Gemeinde nicht mehr dienen will, der Lehrer nicht lehren, der junge Bruder nicht gehorsam sein, der Starke für die Gemeinde nicht arbeiten, sondern nur für sich selbst, und ein jeder für sich selber sorgen (“was nur selten ohne Selbstsucht geschieht), so wird der Leib zertrennt. Kurz: „Ein und gmein” bauet des Herrn Haus und ist rein; aber „eigen, mein, dein, sein” zertrennt das Haus des Herrn und ist unrein. Wo darum Eigentum ist, wo man es hat und anstrebt und nicht mit Christus und den Seinigen gemeinsam hier im Leben und Ster­ben ist, da stellt man außerhalb Christi und seiner Gemeinde, hat auch keinen „Vater im Himmel”; redet man es, so lügt man. Das ist das Leben der Pilger des Herrn, der sie erkauft hat in Christus, nämlich die Auserwählten, Berufenen, Heiligen in diesem Leben, die seine Kämpfer und Herolde sind, denen er auch die Krone des Lebens geben wird am Tage seiner Ge­rechtigkeit.

Zum zweiten hat solche Gemeinschaft der Kinder Gottes hier auf ihrer Wallfahrt auch Ordnungen. Diese sollen in der ganzen Welt das Miteinander-Leben regeln. Aber der Menschen Bosheit hat alles verkehrt. Denn wie die Sonne mit ihrem Schein ge­meinsam ist, so die Nutzung aller Kreaturen. Wer diese ausschließlich sich selbst aneignet, der ist ein Dieb und stiehlt, was ihm nicht gehört. Denn es ist alles frei zur gemeinsamen Nutzung erschaffen. So! eher Diebe ist die ganze Welt voll. Gott behüte die Seinen davor! Ja, mit menschlichem, nicht mit gött­lichem Recht spricht man: Das ist mein. Hier, in dieser Ordnung, gilt es aufzupassen, dass den Kindern des Herrn nicht untragbare Lasten auferlegt werden, son­der nur solche, die uns Gott aus seiner Gnade auf­erlegt hat und in denen wir nach seinem Gefallen, wohnen dürfen. So sollte man nur je nach den Um­ständen, in denen sich die Kinder Gottes befinden, viele oder -wenige Häuser haben, treue Verwalter und Dienstleute stellen, die mit den Kindern Gottes treu­lich umgehen, ja väterlich und sanftmütig handeln und Gott hierin um Weisheit bitten.

Von Ordnungen der Heiligen in ihrer Gemeinschaft und vom Leben mit den Gütern ihres Vaters allhier in dem Herren

Alle Gaben und Güter, die Gott den Seinen gibt und austeilt, unter sich gemeinsam zu haben, dazugehören freie, ledige, gelassene und völlige Herzen in Christus, ja, Herzen, die wahrhaftig glauben und ver­trauen und ganz und gar in Christus ergeben sind. Wer so frei, ledig und gelassen ist im Herrn von allem, bereit, all sein Hab und Gut zu übergeben, ja, es zur Verteilung an alle Kinder Gottes bereitzustellen — das ist Gottes Gnade in Christus, die den Menschen so zubereitet ist. Willig und bereit, das macht frei und ledig. Wer aber nicht so frei ist, alles zu übergeben und, wie gesagt, in Christo dem Herren bereitzustel­len, der soll doch nichts zurückhalten, verbergen oder verleugnen, sondern willig und bereit sein, dahin zu gehen, wo nichts vorhanden ist, ja auch durch die Diener nehmen lassen, damit sie einen freien Zutritt im Herrn zu ihm haben und allezeit ein williges offenes Herz finden, gemeinsam im Herrn zu teilen. Die Verwalter in den Häusern, die sich dem Herrn und seinem Volk mit Leib und Gut im Dienst und Gehorsam des Herrn in seiner Gemeinde ergeben haben, sollen, wenn sie als dazu tauglich anerkannt und für treu befunden werden, nicht ausgewechselt werden. Auch soll ihnen die Verwaltung des Nötigen nicht entzogen -werden im Herrn, wenn sie nur treu handeln. Wo aber Geiz oder Eigentum gespürt wird, sollte er nicht gestattet werden. Sie müssen auch hier Gemeinschafter sein mit allen Elenden des Herrn.

Als Diener der Notdurft sollen verordnet werden treue Männer, die aufpassen, dass es gleich zugeht im ganzen Hause des Herrn, allenthalben in den Häusern, dass nicht einer habe und dem ändern mangle. Sie sollen auch väterlich sein mit allen Kindern Gottes, ebenso für die Gemeinde kaufen und verkaufen.

Die Kinder Gottes sollen sich, nachdem sie aufs allerböseste vertrieben -werden, zusammentun und hier im Elend zusammenhalten, sofern sie es erreichen können. Denn es ist gut und förderlich. Doch ohne gezwungen zu sein, sollen sie nicht in großen Haufen zusammenkommen, sondern je nach den Umständen viele oder ‘wenige Häuser haben. Kurz, es gehört sich für alle Kinder Gottes, zu leben, zu dienen, zu arbeiten für alle Kinder Gottes, nicht den eigenen Nutzen zu suchen, sondern den des ändern, -weil wir alle dem Herrn gehören. Das ist ihr Wandel auf ihrer Wall­fahrt.

Desgleichen sollen auch die Brüder nicht mitein­ander Geschäfte machen, kaufen oder verkaufen, wie die Heiden, sondern jeder soll des ändern eigen sein im Herrn. Schließlich soll auch alles in der Kirche Gottes den Heiligen zugut je nach Umständen, Fügung, Ort und Zeit angeordnet werden. Denn ein für allemal kann man keine bestimmten Ordnungen aufstellen. Die freien, willigen, ledig gelassenen Her­zen, willig, allen Kindern Gottes zu dienen, alles mit ihnen gemeinsam zu haben, ja in ihrem Dienst treu und beständig zu verharren, sollen allezeit im Herrn bleiben. Wo solche begnadeten Herzen sind, ist alles bald im Herrn angeordnet. Wer aber mit List und Betrug, Untreue oder Lügen in der Gemeinde oder Gemeinschaft der Heiligen umgeht, den wird der Herr zuschanden machen . . ., wie lange es auch auf­geschoben wird, und auch denjenigen, der sich selber sucht oder nicht treulich arbeitet als dem Herrn selber oder mit den Gütern des Herrn nicht recht in der Furcht des Herrn umgeht.

Nun folgen die Gegenargumente.

Man spricht, um des Zankens und Murrens willen sei es besser, voneinander getrennt zu sein, und wenn ein jeder für sich selber sorge und lebe, bleibe man friedlicher.

Antwort: Ja, der Meckerer und der Nörgler, die ihrem Fleisch nie abgestorben sind, ihre Lust und Be­gierde nicht zähmen, ja, die die Geduld und wahre Liebe Gottes verlassen haben (wer diese Liebe Gottes im Herzen hat, der ist gern geduldig jetzt in dieser trübseligen Zeit zusammen mit den Frommen, damit er sich nicht zu weit in der Welt verliert), ja, um ihrer •willen ist es schwer oder gar unmöglich, mit ändern und unter solchen zu wohnen, die sich selber suchen, um ihr eigenes Leben hier -wohl zärtlich zu erhalten und ihr Fleisch zu pflanzen, wie man es von Jugend auf in der verkehrten Art gewöhnt ist und gelernt hat. Ja, gewisslich, solchen unabgestorbenen, fleisch­lichen, natürlichen Menschen ohne Geist, denen ist es ein schweres, bitteres, unerträgliches Leben. Solche suchen Freiheit allein, um vielleicht irgendwo für sich selber zu -wohnen, damit sie nach ihrem Fleisch zart leben können zu ihrem Verderben. Sonst wären sie gefangen mit den Stricken der Gottseligkeit und Liebe. Diejenigen, die sie im Herzen nicht lieben, müssten sie dennoch dulden, damit sie nicht bloßgestellt würden. Über solche aber muss Gottes Ernst kommen.

Zum zweiten spricht man, die Kinder Gottes könn­ten nicht alle an einem Ort wohnen, könnten auch nicht alle in einem Land sein; es sei auch nicht vonnöten; denn der Erdboden sei des Herrn; es gälte gleich, wo man darauf wohnt, wenn nur in der Furcht Gottes.

Antwort: Es ist ja wahr. Aber sofern man es haben und erlangen kann und mag, ist es sehr gut und förderlich, sich zusammenzutun aufs beste, wie man es haben kann, ja, als die Fremdlinge, die eine andere Heimat suchen. Denn in der Welt zu -wandeln und viel mit ihr zu tun zu haben und sich dabei unbefleckt zu halten, steht ‘wenigen zu und ist sehr gefährlich. Wer aber Gefährlichkeit lieb hat, kommt leicht darin um, besonders zu dieser Zeit, die ja voller Gefahr ist, mehr als je zuvor. — Zu dieser Zeit ist der Braut des Lammes ein Ort gegeben, in der Wüste dieser Welt zu wohnen, sich anzuziehen mit schöner heller Lein-Wand und so des Herrn zu -warten, bis er sie sich nachführen wird, hier in Trübsal, und sie hernach annehmen mit ewiger Freude. Die Zeit ist da! Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Aber wenn man nun schon beieinander im Elend an einem Ort ist, als vertriebene Kinder sich beiein­ander aufhält und dennoch nicht miteinander gemein­sam lebt als Freunde und Brüder im Herrn, sondern Ausreden sucht — der eine mit seinem Magen, der andere mit seinem Weib und Kind, der dritte eine andere Ausrede, wie es denn eine Zeitlang geschehen ist: Es anerkennt einer den ändern im Herzen nicht als den Seinen, den er so lieb haben soll wie sich sel­ber. Sie würden sich sonst “wohl vertragen und bei­einander dulden, und der Gesunde und Starke würde es dem, der krank ist und einen schwachen Magen hat, wohl gönnen und einem jeden austeilen, was zur Erhaltung des armen elenden Leibes nötig ist. Es sind ja etliche grobe Unverständige in der Gemeinde, die da meinen, jedermann habe einen guten Magen, könne allerlei verdauen. Die Diener der Notdurft sollen hierin treulich achtgeben, dass man ihm nach keiner Seite hin zu viel tue, auch den Leib nicht verzärtle mit untreulichem Essen und Trinken! Kurz, wo es so zugeht, wie angedeutet, dass ein jeder seine eigene Küche aufschlägt, da kann man wahrhaftig nicht sagen, dass da ein Herz, Seele und Leib sei, “wie es doch bei den Kindern Gottes sein soll und muss. Oder das ist ein Fall, der gebessert werden sollte im Hause des Herrn.

Zum dritten führt man die Zeit der Apostel an, die die Gemeinde Christi nicht so geordnet hätten; sie seien auch nicht so beieinander gewesen und hätten alles gemeinsam gehabt, wie ihre Briefe bewiesen, außer allein zu Jerusalem eine kurze Zeit bis zur Trennung.

Antwort: Ich sage, es ist ein großer Unterschied der Zeiten. Dort hat man sie noch in den Häusern gelassen und nicht gleich ins Elend vertrieben. Jetzt aber haben die Kinder Gottes keinen Platz im ganzen Römischen Reich. Denn die Babylonische Hure, die auf dem Drachen mit den sieben Häuptern sitzt — ich meine die Römische Kirche, eine Synagoge des leben­digen Teufels —, speit alle Kinder Gottes nur aus und treibt sie in die Wüste, an ihren Ort, wie schon ge­sagt. Noch muss Wahrheit Wahrheit sein und als solche bestehen. Und der folgen auch alle Auserwählten. Sie lautet so: Wir gehören nicht mehr uns selber, sondern dem Herrn, haben auch wahrhaftig nichts Eigenes, sondern alle Gaben Gottes, es seien zeitliche oder geistliche, gemeinsam. Sie müssen nur die Ordnungen den Umständen von Zeit, Ort und Statt der Kinder Gottes anpassen und über die Kinder Gottes nicht herrschen, sondern die Ordnungen sollen allezeit dem Volk zur Besserung geordnet und eingerichtet werden. So richte man nun alle Ordnungen, wie es die Um­stände erlauben, den Heiligen zum Guten ein und packe es mit Kraft an und bringe es ins Werk, damit das Eigentum, nämlich das „sein, mein, dein” in des Herrn Haus nicht zu finden ist, sondern gleiche Liebe, gleiche Sorge, Austeilung und wahre Gemeinschaft in allen Gütern des Vaters nach seinem Willen.

Ich sage auch von unsern Zeiten: Wenn man die­jenigen, die gläubig werden, in ihren Häusern bleiben ließe wie in den Gemeinden von Paulus, sollten sie nur treue Verwalter und Austeiler sein und alle Dinge sollten fein angeordnet werden, wie es Paulus zeigt. Aber die freien, ledigen, gemeinsamen und gelassenen Herzen müssen dennoch nur diejenigen sein und blei­ben, die alles mit allen Kindern Gottes gemeinsam haben, gern austeilen und ausstreuen, sich auch gern gedulden und leiden mit den Frommen.

Zum vierten spricht man: Es sind nicht alle so frei und gelassen, dass sie mit allen Berufenen gemeinsam leben können. Solche soll man nicht ausstoßen.

Antwort: Dann muss ein solch eigenes, ungelassenes Herz samt dem Mammon behackt und beschnitten werden, so wird es alsdann tauglich zum Gebäude des Hauses des Herrn. Man muss ihm seine verkehrten Fehler und Mängel getreulich vor Augen halten, da­mit es gleichgesinnt und von einerlei Farbe werde mit allen heiligen, gelassenen Kindern Gottes.

Ferner spricht man, Gott wolle einen fröhlichen Geber haben, ja, einen ungezwungenen, aus Liebe und Lust, nicht aus Zwang und Drang.

Antwort: Man warte, bis man solche Gnade im Herrn bei einem finde und nehme nichts ein, was man ungern und schweren Herzens gibt. Den Dienern des Herrn steht es aber zu, dahin zu lehren, zu weisen und zu ermahnen mit aller Langmut, und weder zu liebkosen noch zu verwerfen, wozu man in Paulus ein Vorbild hat. Es mangelt nur an abgestorbenen, freien, ledigen, gelassenen Herzen. Im Anfang waren sie im Herrn. Jetzt aber, weil sich die Wallfahrt in die Länge zieht, so macht man sich gemächlich wieder in der Welt sein Nest, so dass wenige sich sehnen, aus der Welt zu gehen, ja eher begehren zu leben als zu sterben. Der Spruch: „Der Tod ist mein Gewinn”, der will bei vielen selten werden.

Zum Schluss: So ist es nun für die Kinder Gottes sehr gut, dass sie, weil sie im Elend -wandeln, sich ja aufs beste zusammentun und zusammenhalten, wenn man es im Herren erreichen kann, und nicht darüber mit dem Fleisch zu Rate zu gehen. Denn das Fleisch rät nimmermehr dazu, sondern will nur zueigen sein und haben, aber nicht mit den Frommen dulden.

Man wirft gleichfalls auch vor, man lese nirgends in der Heiligen Schrift, dass es ein Gebot des Herrn sei, die Güter zusammenzutragen und Diener und Ver­walter darüber zu stellen.

Antwort: Es ist die wahre Gelassenheit, sich so in den Dienst der Heiligen mit Hab und Gut zu stellen und zu ergeben. Auch ist es der Liebe Art. Denn auch die wahren Freunde haben alle Dinge gemeinsam, diejenigen, die „zwei Leiber und nur eine Seele” genannt werden. Ja, wir lernen es in Christus, sich selber im Dienst der Heiligen zu verlieren, arm zu sein und zu werden und Mangel zu leiden, damit nur ändern gedient werde, und weiter auch alles Hab und Gut abzulegen, von sich zu werfen, damit es denen, die es nötig haben und des bedürftig sind, ausgeteilt wird. Das ist der höchste Teil und Grad der Gelassen­heit und der freien, willigen Ergebung dem Herrn und seinem Volk durch den Geist der Gnaden.

Kurz: Es soll ein Bruder dem ändern dienen, leben, arbeiten, keiner sich selbst, ja, ein Haus <soll> dem ändern, eine Versammlung der ändern an einem än­dern Ort im Land <dienen>, wo es der Herr vergönnt hat, sich zu versammeln, eine Gemeinde als ein Leib des Herrn und untereinander Glieder. Das sehen wir in allen Schriften der heiligen Apostel, wie näm­lich ein Bruder dem andern, eine Gemeinde der ändern dient, Beistand gibt und schickt im Herrn. Das ist stets das Leben der berufenen heiligen Gotteskinder auf ihrer Wallfahrt. Amen.

Leave a reply