Seid ohne Anstoß

von Marcel Husser, Kunenheim, Elsass

“Sowohl Juden als Griechen und der Gemeinde Gottes,” (1. Kor 10, 3 2).

Es ist gut, sich zu enthalten von dem, was deinem Bruder oder deiner Schwester zum Fall, zum Anstoß oder Schwäche dienen kann. (Rom 14,21)

In unserer Zeit, in der die Ichbezogenheit bis zum Äußersten getrieben wird, scheinen diese Schriftstellen verfallen zu sein. Jeder tut, was ihm gefällt. Manche zielen sogar auf einen Skandal ab, um aufzufallen. Und dieje­nigen, die nicht bis zu diesem Extrem schrei­ten, denken, ihr Benehmen gehe niemand etwas an als sie selber. Diese Geisteshaltung hat sich auch heim­lich in die Gemeinde Gottes eingeschlichen. Sie ist gewiss auch eine Erklärung dafür, wa­rum die immer stärker um sich greifende Uni­sexmode gebilligt wird. Beim Aufkommen dieser Mode reagier­ten die geistlichen Leiter und die meisten Christen empört. Und die wesentliche Richt­schnur aus 5. Mose 22, 5, welche die Unter­scheidung der Geschlechter in der Kleidung fordert, gab ihnen vollkommen recht.

Die antichristliche Bewegung, durch wel­che diese Mode als Mittel der Werbung ins Leben gerufen wurde, unterließ keine Möglichkeit, um sie in die Gemeinde einzu­schleusen.

Die New-Age-Bewegung begünstigt ebenfalls diese Mode, denn sie dient der Verwirklichung der „Androgynie”. Diese Bewegung befürwortet, dass es kein Unterschied mehr geben solle zwischen Män­ner und Frauen. Das von ihnen propagierte Wesen ist gleichzeitig Mann und Frau (andro = Mann, gyne = Frau). Und weil die Söhne dieses Zeitlaufs (Lk 16, 8) klüger und beharrlicher sind als die Söhne des Lichts, hat sich diese aufrührerische Mode immer stärker in die Gemeinden einge­schlichen, trotz aller Warnung am Anfang.

Des Kampfes müde, mit dem Wunsch nach einer „friedlichen Koexistenz”, haben die Ausleger und Lehrer des Wortes Gottes Deutungen erfunden, die die Stelle aus 5. Mose 22, 5 ausschließlich der Zeit des Mose und der jüdischen Kultur zuweisen. Dieselbe antichristliche Bewegung hat seit einiger Zeit die Mode des geschnittenen Haars bei Frauen in Gang gebracht. Immer kürzer werden die Haarschnitte, – auch in der Ge­meinde. Unsere Schwestern werden dadurch zum Verpfuschen der „Ehre” (1. Kor 11, 15), die der Herr ihnen als ein Juwel Seiner Liebe gab, getrieben. Auch hier, durch denselben Wunsch nach „friedlicher Koexistenz”, auch „Toleranz” genannt, beschränkt man die Un­terweisung aus 1. Korinther 11 auf den Zeitab­schnitt des Apostels Paulus und auf die grie­chische Zivilisation, genauso wie die femini­stische Frauenbewegung es seit ihrem ersten Angriff auf die Kopfbedeckung mit dem „Schleier” (l. Kor 11, 5-6) macht. Sie stellt den Schleier als Zeichen der Sklaverei dar, ohne zu verstehen, dass er ein herrliches Zeichen der Zughörigkeit zum Herrn und der Liebe zu Ihm darstellt.

Darin spiegelt sich des Weiteren die Liebe des Herrn zu seiner Braut, der Gemein­de, wieder. Der Schleier der Schwestern dient als Zeichen, dass die Gemeinde ihrem himmli­schen Bräutigam in freudigem Gehorsam ent­gegensieht. Von einer Generation zur anderen hat man diese Schriftstellen des Sinns entleert, die doch von herrlichen Symbolen gefüllt und in höchstem Maße von einer tiefen Weisheit, der Weisheit Gottes, geprägt sind.

Um die offene Gehorsamsverweigerung zu rechtfertigen, hat man den kulturellen Mo­dernismus ersonnen. Man behauptet, solche Einzelheiten, die Kleidung und Haartracht betreffen, stammten aus den Kulturen des Al­tertums, aus der jüdischen, griechischen oder römischen Kultur und hätten keine Bedeutung mehr für die aktuelle Kultur.

Demnach erlaubt man sich im Namen der Kultur, die klaren Anordnungen der Heiligen Schrift aufzulösen, weil man sich der Mode, diesem rauchlosen Götzen, anpassen will. Dieser kulturelle Modernismus ist dem theologischen Modernismus sehr ähnlich, der die Bibelstellen beseitigt, die er nach dem Menschenverstand für vernunftwidrig hält. So erlaubt man sich, menschliche Gedan­ken, in denen die Vernunft und die Kultur ihre Wurzel haben, über die Autorität der Bibel zu stellen.

Die klug angelegte Rechtfertigung dieser offenbaren Auflehnung, die durch die neue Kleider- und Haarmode sowie in der Haltung und im allgemeinen Benehmen zum Ausdruck kommt, bildet eine offene Tür für das Eindrin­gen der Welt in die Gemeinde Gottes.

Wieder wurde der Grundsatz aus Römer 12, 1-2 verhöhnt: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Gottesdienst sei. Und seid nicht gleichförmig diesem Zeitlauf, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.”

Ein betrübender Anstoß

Der Herr, der Seine Gemeinde geheiligt hat durch Sein Blut (Heb 10, 10), war gewiss der erste Betrübte. Denn jede Auflehnung und jeder Verstoß gegen die Autorität Seines Wortes kommt in gerader Linie aus der Rüstkammer seines Feindes. Satan ist der er­ste Aufrührer und Aufhetzer einer jeden Auf­lehnung.

Der Herr Jesus war „gehorsam bis zum Tode” (Phil 2, 8; Titus 2, 14), und Er hat sich selbst für uns gegeben, auf dass Er uns los­kaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst „ein Eigentumsvolk, eifrig zu guten Werken.” Die Werke, die der Herr sehen möchte, sind Werke des freudigen Gehorsams, zu Seiner Freude und zur Freude Seines Volks, Seiner Gemeinde.

Wenn wir unsern Herrn lieben und in Sei­ner Gemeinschaft leben, werden wir eine tiefe Betrübnis empfinden darüber, dass Seine Kin­der Gefallen finden an der Auflehnung und den Verführungen der Welt folgen, die ihnen Sein Feind Satan durch die Mode einflüstert.

Vergessen wir nicht, dass die „guten Wer­ke”, von denen in Titus 2, 14 die Rede ist, Handlungen des freudigen Gehorsams sind, die durch die erste Liebe der Erkauften ihrem Heiland und Herrn gegenüber motiviert sind.

Sie entsprechen dem herrlichen Prinzip von L Kor 10, 31: „Ob ihr nun esset oder trin­ket oder irgendetwas tut (die Art unserer Klei­dung und unserer Haartracht sind mit einbegrif­fen!), tut alles zur Ehre Gottes.”

Die christliche Frau ist ein herrliches Symbol der „sehr kostbaren Perle”, der „Braut des Lammes”. Darum gibt ihr der Herr klare Malzeichen der Würde und der Schön­heit. Die Anweisungen von 5. Mose 22, 5; 1. Korinther 11 und 1. Timotheus 2, 9 zu ihrer äußeren Haltung und jene von 1. Petrus 3, 3-6 und andere mehr zur Haltung des Herzens, offenbaren die tiefe geistliche Bedeutung die­ser Zeichen. Welch eine Betrübnis muss es für Ihn sein, wenn christliche Frauen durch ihr Aussehen ein Symbol der Auflehnung wer­den, indem sie diese herrlichen Unterschei­dungsmerkmale verhöhnen, wie die Welt es tut? Diese Betrübnis teilt eine große Anzahl von Gläubigen und sie bilden eine leidende „stille Majorität”. Und sie leiden nicht aus „Gesetzlichkeit” (noch ein trügerisch angewand­tes Wort, um die Auflehnung zu rechtfertigen), sondern weil sie in der Gemeinschaft ihres Herrn und Heilandes leben und Seine Betrüb­nis empfinden.

Die Betrübnis dieser „stillen Majorität” ist eine zweifache:

  • zu sehen, wie die Christinnen und jetzt auch die Christen (welche die Unterweisung aus 1. Kor 11 die Haartracht betreffend ver­höhnen) einer Mode der Auflehnung zu­stimmen
  • festzustellen, wie eine große Zahl derer, die das Volk Gottes unterrichten sollten zur Unterscheidung zwischen dem, was rein und dem, was unrein ist (Hesekiel 22, 2), diese Mode zulassen und sogar rechtfertigen. Und schlimmer noch, sie nehmen diese Mode der Auflehnung selber an und bereiten so das Feld vor für alle nachfol­genden Auflehnungen, die von der Welt her in die Gemeinde einströmen wollen. Im Namen dieser „stillen, aber leidenden Ma­jorität” reden wir, denn es tut leid, berechtigte Worte wie diese hören zu müssen: „Die Schuld ist bei denen, die uns unterrichten.” In der Tat, „wenn die Posaune einen undeutli­chen Ton gibt, wer wird sich zum Kampfe rüsten?” (1. Kor 14, 8).
Ein ernster Aufruf

Brüder und Schwestern, deren Posaune einen undeutlichen Ton gibt, ergreift es euch nicht, wenn ihr merkt, wie viele Kinder Got­tes über den von euch eingeschlagenen Weg trauern? Wieviel mehr muss dies den Herrn betrüben?

Der Herr steht an der Tür! Ist es nicht höchste Zeit, Seinem Worte gehorsam zu sein, damit Er bei Seiner Erscheinung Seine Braut „bereitet findet, bekleidet mit feiner Leinwand, glänzend und rein”, und nicht be­kleidet mit Kleider der Auflehnung (solches im eigentlichen wie im bildlichen Sinn)?

„Ziehet den Herrn Jesus Christus an, und trei­bet nicht Vorsorge für das Fleisch zur Erfül­lung seiner Lüste!” (Römer 13,12-14).

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