Das Glück eines abhängigen Lebens

Kurze Biographie von A. N. Groves

A. N. Groves wurde 1795 in Newton, Hants, geboren. Schon als Junge war er der Meinung, dass jeder überzeugte Christ eigentlich ein Missionar sein sollte. Nachdem er zum Glauben an den Herrn Jesus gekommen war, fühlte er den dringenden Wunsch, mit seiner ganzen Zeit dem Herrn als Missionar zu dienen.

Seine blühende Praxis, die er bereits als 21-jähriger Zahnarzt in Exeter besaß, sollte ihm dabei kein Hinderungsgrund sein. Doch seine junge Frau, die erst vor kurzer Zeit zum Glauben gekommen war, konnte sich für die Missionspläne ihres Mannes nicht begeistern und wies jeden Gedanken daran zurück, so dass Groves von nun an schwieg und sein Anliegen Gott übergab.

In der Zwischenzeit wurde dem Ehepaar durch das Bibelstudium klar, dass sie einen Teil ihres Einkommens an Arme abgeben sollten. Zunächst waren es 10 %, später 25 % ihres Einkommens, und schließlich wurde ihnen deutlich, dass ihr ganzer Besitz und auch ihr Leben dem Herrn zur Verfügung stehen sollte, so dass sie ihren Lebensstandard drastisch einschränkten und kein Geld mehr sparten, um mehr für das Werk des Herrn geben zu können.

Etwa im Jahr 1825 wurde auch Mary Groves bei ihren Verteilaktionen unter den Armen frei ihrem Mann zu folgen, wenn Gott ihn in die Missionsarbeit rufen würde.

Da es damals üblich war, in Verbindung mit einer Missionsgesellschaft auszureisen, begann Groves 1826 in Dublin mit dem Studium der Theologie, um die kirchliche Ordination zu bekommen. Während der Quartalsexamina logierte er zeitweise bei J. G. Bellett und lernte in seinem Haus auch J. N. Darby kennen, der sich damals in Dublin als junger Geistlicher der Anglikanischen Kirche von einem Unfall erholte. Im Hause Bellett wurde eifrig die Bibel studiert und 1827 äußerte Groves Bellett gegenüber die damals revolutionäre Meinung, dass es schriftgemäß wäre, jeden Sonntag Brot zu brechen. Inzwischen bekam Groves auch Zweifel, ob es im Sinne des Herrn ist, für einen missionarischen Dienst die kirchliche Ordination anzustreben. Zwei Tage vor der Ordination erledigte sich die Frage von selbst, indem ein Einbrecher das Geld stahl, das Groves sich für die Reise zum Ort der Ordination zurückgelegt hatte. Groves verzichtete nun auf jede Unterstützung von Kirche und Missionsgesellschaft und verabschiedete sich 1828 von seinen Freunden in Dublin mit den Worten: »Ich zweifle nicht daran, dass dies die Gedanken Gottes in Bezug auf uns sind: Wir sollten in aller Schlichtheit als Jünger Jesu zusammenkommen, nicht auf Kanzel oder Predigt warten, sondern darauf vertrauen, dass der Herr uns miteinander erbauen wird, indem Er aus unserer Mitte heraus dienen lässt, wie es Ihm gefällt und wie Er es für gut hält.«

Wenige Monate später reiste Groves mit seiner Familie nach Bagdad, um dort für den Herrn zu arbeiten. Zunächst widmete er sich dem Sprachstudium, behandelte aber auch Kranke, um Kontakt mit der Bevölkerung zu bekommen und gründete eine Schule. Doch schon im zweiten Jahr seines Dienstes wütete eine furchtbare Pest unter der Bevölkerung, so dass eine unvorstellbare Not herrschte und an manchen Tagen zweitausend Menschen starben. Dazu kam noch eine riesige Überschwemmung, so dass Groves damals schrieb:
»Wir sind von der verheerendsten Pest und vernichtendsten Flut umgeben, es spielen sich Elendsszenen vor unseren Augen ab, die unsere Gefühle martern und für die wir keine Hilfe bringen können. Doch Skizzen aus dem Leben A. N. Groves’ gerade auf diesem Schauplatz hat uns der Herr in Seiner unendlichen Gnade persönlich in Ruhe und Frieden erhalten, wir haben Zuflucht unter dem Schatten Seiner allmächtigen Flügel …«

Schließlich erkrankte Mary Groves an der Pest. Angesichts des Todes äußerte sie: »Ich wundere mich über die Führungen des Herrn, aber nicht mehr als über den Frieden, den ich in diesen Umständen haben darf.«

Der hartgeprüfte Ehemann musste im Mai 1831 seine geliebte Frau begraben und kurze Zeit später folgte ihr auch das jüngste Kind, ein Mädchen. Auch Groves selbst wurde von der Pest angesteckt und rechnete mit seinem Heimgang. Doch er genas und durfte erleben, dass im folgenden Sommer einige langerwartete Freunde aus England, Dr. Cronin mit Mutter und Tochter, John Parnell und F. W. Newman, eintrafen. Es folgte eine gesegnete Zeit der gemeinsamen Arbeit. Sie teilten allen Besitz gemeinsam und nahmen sich an freien Tagen viel Zeit zum Fasten, zu intensivem Bibelstudium und Gebet.

Zwei Jahre später zog Groves mit seinen Söhnen und einigen Brüdern nach Bombay, um bis an sein Lebensende in Indien das Evangelium zu verkündigen und die Gläubigen zu erbauen. Über seine Ziele und Methoden schrieb er:
»Unsere häusliche Einrichtung soll ganz einfach und ganz billig sein, unser Arbeiten ganz nach dem Evangelium. Unsere große Aufgabe wird es sein, die üblen Schranken niederzureißen, die der Hochmut zwischen Eingeborenen und Europäern errichtet hat. Zu dem Zweck ist es wünschenswert, dass jeder Evangelist, wohin er auch gehen mag, zwei bis sechs eingeborene Bibelschüler mitnimmt, mit denen er auf seinen Reisen zusammen isst, trinkt und schläft, denen er, wenn er sitzt oder aufsteht, vom Reich Gottes spricht. So können sie in kurzer Zeit zum Dienst vorbereitet werden, in der Weise, wie unser geliebter Meister Seine Jünger zugerüstet hat, Schritt für Schritt, Regel um Regel, hier ein wenig und dort ein wenig, wie sie es fassen können. Und sie müssen vom Anfang bis zum Schluss fühlen, dass es nicht unsere Art ist, andere an eine Arbeit zu stellen, die wir selbst nicht verrichten, oder sie nach Grundsätzen handeln zu lassen, die wir selbst nicht einhalten, sondern dass wir lieber Vorbilder sind für alles, was wir bei unseren geliebten Brüdern sehen möchten. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich in Indien eine Gemeinde heranwachsen sehe, die ein kleines Heiligtum in den trüben und dunklen Tagen darstellt, welche über die Christenheit kommen.«

1835 heiratete Groves während eines Englandaufenthaltes ein zweites Mal und reiste – nachdem er mit seinem Freund und Schwager Georg Müller aus Bristol auch Deutschland besucht hatte – wieder nach Indien zurück. Dort ließ er sich zunächst in Madras nieder. Er hatte den Eindruck, dass es unter den damaligen Umständen für das Zeugnis der Christen besser war, dem Vorbild des Apostels Paulus zu folgen und für den eigenen Lebensunterhalt zu arbeiten. So nahm er dort seine Tätigkeit als Zahnarzt wieder auf, um in der übrigen Zeit das Evangelium zu verkündigen und die entstandenen Gemeinden zu besuchen.

Später befasste er sich auch mit Seidenraupenzucht und Zuckerrohranbau, um den Eingeborenen Arbeitsmöglichkeiten zu bieten und diejenigen, die im Werk des Herrn arbeiteten, unterstützen zu können. In diesen Jahren wuchs eine große Schareingeborener Christen heran, die als Evangelisten in die verschiedenen Gebiete Indiens reisten, um dort nach biblischen Grundsätzen, im Vertrauen auf Gottes Verheißungen und ohne menschliche Absicherungen zu arbeiten und vielen Indern ein Wegweiser zu Christus waren.
Während eines Englandaufenthaltes 1853 erkrankte Groves und ging am 20.5. im Hause seines Freundes und Schwagers – Georg Müller – in Bristol, unter Schmerzen, aber in tiefem Frieden heim. Seine letzten Worte drücken treffend den Inhalt seines Lebens und Dienstes aus: »Kostbarer Jesus!«

Das vorliegende Buch hat Groves im Jahr 1829, wenige Monate vor seiner Ausreise nach Bagdad, geschrieben. Nach den Grundsätzen, die er in Gottes Wort gefunden hat und die er in diesem Buch weitergibt, hat er selbst gelebt und damit wertvolle Glaubenserfahrungen gemacht.

Als im Jahr 1827 sein Schwiegervater starb und seine Frau einen großen Geldbetrag erbte, schrieb Groves einem Freund:
»Der Tod meines Schwiegervaters vor etwa drei Wochen hat unseren Weg in mancher Hinsicht sehr erleichtert. Er hat aber auch etwas von jenem tödlichen Verderber des menschlichen Herzens, dem Geld, in unseren Weg gelegt, unter Umständen, die nicht in unserer Hand liegen. Bete für uns, damit wir mit jedem Heller dieses Geldes Ihn verherrlichen können.«

Diese Haltung des damals noch relativ jungen Mannes zeigt etwas von dem Vertrauen, das er zu seinem Herrn hatte und von dem Wunsch, allein von Ihm abhängig, korrigier- und lenkbar zu sein. Diese Glaubenshaltung und auch die vorliegende Schrift war damals für den jungen Georg Müller, dem späteren Waisenvater von Bristol, der Anstoß und die Herausforderung, seine große Lebensaufgabe allein im Vertrauen auf Gottes Verheißungen zu beginnen. Viele Christen sind damals durch das Vorbild und die Schriften Groves ermuntert worden, dem Wort Gottes als alleiniger Richtschnur für das Gemeindeleben und den Verheißungen Gottes als einziger Absicherung für ihren Missionsdienst zu vertrauen.

Gott gebe, dass die Glaubenserfahrungen dieses Mannes, den ein Biograf »Pionier und Heiliger« nannte, auch uns anspornt, vertrauensvoll die Hand unseres Vaters im Himmel zu ergreifen und Ihm Gelegenheit zu geben, uns in der Nachfolge Jesu Glaubenserfahrungen machen zu lassen.

Das Glück eines abhängigen Lebens
(Originaltitel: Christian Devotedness)

Vorwort des Autors

Wenn ich jetzt, vier Jahre nach seiner Veröffentlichung, eine zweite Ausgabe dieses Werkes herausgebe, so ist es mir wichtig festzustellen, dass ich nie im Geringsten daran dachte, mit diesen Ansichten zu brechen. Im Gegenteil, meine persönliche tägliche Erfahrung (ich habe das Leben derer beobachtet, die mir nahe standen und diese Sicht annahmen oder ablehnten) hat mich in der Überzeugung bestärkt, dass diese Anweisungen unseres Herrn eine tiefe Kenntnis des menschlichen Herzens und der Ursprünge menschlichen Handelns offenbaren.

Ich glaube immer noch, dass Er genau das meint, was Er sagt, wenn Er spricht: »Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, usw.« Diese Lehre ist wie Augensalbe, die unseren geistigen Blick in wunderbarer Weise klar macht, wenn sie im Glauben angenommen wird. Deshalb soll der, der es annehmen kann, es annehmen. Viele sind dadurch angeregt worden, und manche weit mehr, als ich erwartet hatte. Die Trauben, die ihre Zweige schmücken, scheinen zur Sorte der echten Eskoltrauben (4. Mose 13,23) zugehören. Das jedoch und viele andere Dinge wird die Zeit zeigen; und der Herr wird es beurteilen.
Die grundsätzlichen Einwände, die dagegen vorgebracht werden, die Worte unseres Heilandes wörtlich auszulegen, gliedern sich in drei Bereiche:

• Der Einfluss der Gemeinde wird eingeschränkt;
• Die Versorgung der Kinder ist gefährdet;
• Besitz muss aufgegeben werden, weil es nicht ausreicht, nur Zinsen und Gewinne zu geben.

Nun geht es mir überhaupt nicht um die Folgen dieser Anweisungen, sondern um die Anweisungen selbst. Dennoch möchte ich sagen, dass diese drei Einwendungen die besondere Führung des Herrn für Seine Gemeinde so sehr missachten, wie man es nur von einem Ungläubigen erwarten könnte.

Wenn der Herr mich auf dieser Erde noch lässt, beabsichtige ich zu der ersten Einwendung einige Gedanken gesondert zu veröffentlichen mit den Themen:

• Was ist christlich?
• Was ist weltlich?
• Menschen dieser Welt
• Weltförmigkeit unter Christen

Ich möchte darin zeigen, dass ein Korn des reinen Goldes christlichen Einflusses, der wirklich die Gesinnung Christi sichtbar werden lässt und Seiner Liebe entspringt, in keiner Weise dadurch wertvoller wird, wenn man es in hauchdünne Platten hämmert und damit das Messing irdischen Einflusses (Titel, Ehrungen, Stellung, Reichtum, Ausbildung und weltliche Macht auf dieser Erde) vergoldet. Das Ergebnis wäre in der Tat wie eine gewaltige goldene Kugel und könnte das Auge des Unerfahrenen täuschen. Aber der geringste Kratzer brächte seinen Messingcharakter ans Licht. Viele christliche Gemeinschaften wären völlig anders aufgebaut, um den Einfluss des Reiches Christi auszudehnen, wenn dieser einfache Grundsatz erkannt wäre.

Im Hinblick auf die anderen beiden Punkte meine ich, dass sie durch ein einziges grundsätzliches Argument entkräftet werden können. Es lautet: Der Grundsatz der Regierung Gottes ist eine Vater-Kind- Beziehung. Deshalb ist ihr vor dringliches Ziel, in uns die Merkmale von geliebten Kindern hervorzubringen, deren wesentlicher Zug völlige Abhängigkeit ist. Natürlich ist auch die Tatsache, dass Gott Vater ist, Inhalt dieser Beziehung. Verringert man die tägliche Abhängigkeit für die tägliche Versorgung mit zeitlichen und geistlichen Dingen nur geringfügig, so greift man Gottes Ehre als Vater an.

Daher wusste David, dass unsere Kinder nicht um Brot betteln sollen. Wenigstens hatte er, der jung gewesen war und alt geworden ist, so etwas nicht gesehen (Psalm 37,25). Überhaupt stellt jeder, der so etwas annimmt, Gottes väterliches Wesen in Frage, von dem unser Herr sagt: »Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles bedürft«, und deshalb: »dies alles wird euch hinzugefügt werden.« Nachdem wir wissen, dass unser himmlischer Vater für jedes unserer Bedürfnisse sorgen wird, ist es nun umso besser, je eher wir uns von Kapital und Besitz befreien. Wir tun es, indem wir sie zu Seiner Ehre und für Seinen Dienst verteilen. Dann werden wir mit Freude sehen, wie sie dazu verwandt werden, Den zu verherrlichen, Dem sie gehören und für Den wir sie lediglich verwalten.

Tun wir dies nicht, so wissen wir nicht, ob unser Kapital und unser Besitz in die Hände eines Weisen oder eines Narren fallen, wenn wir morgen sterben sollten. Es könnte also ein Narr kommen und das ganze Vermögen (vielleicht zwanzigtausend Pfund) für Satan und das Verderben dieser Welt ausgeben, wenn wir abberufen werden und bis dahin nur einen Teil unseres jährlichen Einkommens (sagen wir, hundert von tausend Pfund) für Gott verbraucht haben und dafür von vielen als engagierte Christen gerühmt worden sind.
Nun mag noch jemand einwenden: »Ist uns nicht alles reichlich dargereicht worden zum Genuss?« (1. Timotheus 6,17). Das stimmt schon. Aber es wäre derer, die zum Reich Christi gehören, nicht würdig, wenn sie die Dinge, mit denen sie ihren Herrn und Erlöser erhöhen dürfen, zur Befriedigung ihrer eigenen Lüste genießen würden. So etwas tun die, die zum Reich Satans gehören.

Glaubt mir, meine lieben Freunde, (je eher unser Wohlstand dem Dienst für Gott und Seiner Verherrlichung zugeführt wird) je eher wir unseren Reichtum dem Dienst für Gott und Seiner Verherrlichung zur Verfügung stellen, umso besser. Denn dann ist er für den Herrn verwendet, und die Welt, das Fleisch und der Teufel können ihn nicht mehr zurückbringen. Auch wird der Herr es nicht zulassen, dass wir ihn zurückwünschen, denn Er wird unseren Dienst in Seiner Gnade annehmen. Sein Lohn ist freundlich und überwältigend: das Licht seines Angesichts und die verborgene Gewissheit unserer Seelen, dass unsere Hingabe gut für uns (gewesen) ist.

Wir müssen über dieses Wort nachdenken:

Das Christentum wird am meisten gefördert, wenn Christen alles Christus übergeben
Ich wurde sehr angerührt, als ich über die befremdende und traurige Tatsache nachdachte, dass das Christentum in fünfzehn aufeinanderfolgenden Jahrhunderten nur gering gefördert wurde. Beim aufmerksamen Lesen der Geschichte des Evangeliums fiel mir auf, dass das frühe Christentum einen Großteil seiner unwiderstehlichen Energie der Tatsache verdankte, dass die ersten Jünger ihre Liebe zu ihrem Erlöser und König und ihre Liebe zueinander durch ihren Lebenswandel bewiesen.1

Dies überzeugte mich auch davon, dass das Wohlergehen der Gemeinde Gottes unmittelbar gefördert und ihr Einfluss mit sehr großer Wirkung auf die ganze Welt ausgedehnt wird, wenn diese Liebe sichtbar wird. Deshalb lege ich auch den aufrichtigen Jüngern des Heilands, der »da er reich war, um euretwillen arm wurde, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet« (2. Korinther 8,9) meine Gedanken zur Überprüfung vor.

Ich glaube, diese Liebe wurde dadurch sichtbar, dass die Jünger sich selbst, ihr Eigentum, ihre Zeit und ihre Begabung Christus, ihrem Herrn, übergaben. Ich spreche hier allerdings vor allem vom Verteilen des Eigentums, sei es bereits vorhandenes Kapital oder Einkommen, das durch Arbeit erworben wird.

Hingabe wurde von Christus gefordert; die Apostel praktizierten sie, und sie soll auch unser Kennzeichen sein
Ich möchte beweisen, dass eine völlige Hingabe unseres materiellen Wohlstandes unzweideutig durch das Gebot unseres Heilandes bestärkt wird, und dass die Praxis Seiner Apostel und ihrer Zeitgenossen sie veranschaulicht.2

Alle aufrichtigen Jünger Christi bitte ich, diese Gedanken mit der Waage des Heiligtums zu wiegen, und nicht mit der Waage dieser Welt. Ich bitte sie, ernstlich zu dem »Vater der Lichter« zu beten, um in ihrer Suche nach der Wahrheit ein einfältiges Auge zu haben, damit Der verherrlicht wird, Dem sie gehören und Dem sie dienen sollten, und damit Sein Reich sich ausbreitet. Ich bitte sie, bei ihrem Forschen und Beten ihre eigenen Seelen zu bedenken und die Millionen Ungläubigen und Irrlehrer, von denen sie sagen, dass sie ihre Unwissenheit und Armseligkeit bedauern.

Wenn sie bei ihrem Erforschen der Bedeutung und des Umfanges der Worte unseres Heilandes: »Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde«, zu der Überzeugung kommen sollten, dass Er dies wörtlich verstanden wissen wollte und die Apostel und ihre Genossen es uneingeschränkt so verstand n, dann möge der Heilige Geist sie befähigen, das tröstliche und tröstende Vorrecht zu ergreifen, das wir haben: alle unsere Sorge auf Ihn zu werfen, weil wir wissen, dass Er für uns besorgt ist (1. Petrus 5,7).

Was müssen wir beachten, wenn wir die Frage erforschen, die uns vorliegt? Was kann man von uns verlangen? Wir müssen die verschiedenen Vorschriften, ihre Begründung und das, was unser Heiland und seine Apostel taten, zu uns reden lassen.
Zuerst werde ich mich deshalb dem Bericht in der Schrift zuwenden, wo dieser Grundsatz gelehrt wird, und zeigen, wie er durch die Vorschrift bestärkt und am Beispiel veranschaulicht wird.
Danach werde ich seine wichtige Bedeutung für andere gewichtige Gebote ansprechen, die ohne diesen Grundsatz überaus schwierig (eigentlich sogar überhaupt nicht) zu verstehen und anzunehmen sind.

Zum Schluss werde ich einige Gründe aufzählen, die beweisen, dass die Offenbarung des Wortes Gottes und der Verstand mit dieser Ansicht übereinstimmen, wenn es der Gemeinde in ihrem Streben um die Ausdehnung der Grundsätze des Reiches Gottes geht.

Wie hielten es der Herr und die Apostel?
Der Herr lehrte klar und deutlich, dass wir keine Schätze auf der Erde sammeln sollen.

Wir wollen mit dem Abschnitt beginnen, in dem wir diesen Grundsatz finden.
»Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören, und wo Diebe durchgraben und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstören, und wo Diebe nicht durchgraben und stehlen!; Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge klar ist, so wird dein ganzer Leib Licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis! Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Speise, und der Leib mehr als die Kleidung? Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel wertvoller als sie? Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zuzusetzen? Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. Wenn aber Gott das Gras des Feldes, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, nicht viel mehr euch, ihr Kleingläubigen? So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken? Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach diesem allen trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles benötigt. Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden. So seid nun nicht besorgt um den morgigen Tag! Denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug« (Matthäus 6,19-34).

Wir wollen diesem Abschnitt vier grundsätzliche Dinge entnehmen:

Die Bedeutung, die einem »klaren Auge« beige messen wird, und das klare Wort unseres Heilandes, dass Wohlstand die Klarheit und Einfachheit des Blickes beeinträchtigt.
Gottes Sorge für die niedrigsten Seiner Geschöpfe und Seine Fürsorge für die, die weder Scheunen noch Lagerhäuser haben.
Die Schlussfolgerung unseres Heilandes, dass Er sich um die kümmert, die einzig und aufrichtig das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit suchen, und für sie sorgt, obwohl sie weder Scheunen noch Lagerhäuser haben.
Die Quelle unseres Misstrauens und Zweifels, auf die der Herr deutlich hinweist, wenn Er sagt: »Kleingläubige«.
Der parallele Abschnitt in Lukas hat fast denselben Wortlaut. Er ist jedoch noch eindrucksvoller, weil er durch die praktische Warnung eingeleitet wird, die sich aus dem Verhalten des »reichen Mannes« ergibt.3

Dieser denkt darüber nach, wie sicher er vor jedem Mangel ist, und ruft aus: »Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre.« Gott antwortet ihm: »Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein?« (Lukas 12,13-21).

Dieser Abschnitt endet auch mit einer Ermahnung, die sich ein wenig von der in Matthäus unterscheidet. Dort heißt es: »Sammelt nicht.« Bei Lukas dagegen heißt es: »Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten, einen unvergänglichen Schatz in den Himmeln.«

Will der Herr, dass wir dieses Gebot wörtlich nehmen?
Bezieht man sich auf diese Verse, so heißt es gewöhnlich, sie seien nicht wörtlich zu nehmen. Sie enthielten allgemeine Feststellungen, die nicht bindend sind. Diese seien zwar deutlich, aber nur scheinbar absolut. Sie wurden so geäußert, um eine größere Wirkung zu erzielen.

Da wir ihre wirkliche Bedeutung sicher herausfinden möchten, lasst uns deshalb die Beweise würdigen, die sich aus dem Reden und Tun unseres Herrn und Seiner Apostel ergeben, soweit sie mit unserer Fragestellung zusammen hängen.

Der Fall des reichen Jünglings zeigt, dass Christus will, dass Seine Lehre gegen das Sammeln von Schätzen wörtlich genommen wird.
Als der junge Mann kam, um herauszufinden, was er Gutes tun müsse, um ewiges Leben zu ererben, spricht unser Herr zunächst verschiedene Pflichten an und sagt dann: »Noch eines fehlt dir: Verkaufe alles, was du hast und gebe es den Armen, und du wirst einen Schatz in den Himmeln haben, und komm und folge mir nach. Und als er dies hörte, wurde er sehr betrübt, denn er war sehr reich. Als aber Jesus sah, dass er sehr betrübt wurde, sprach er: Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen! denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. Es sprachen aber die es hörten: Wer kann dann errettet werden? Er aber sprach: Was bei Menschen unmöglich ist, ist möglich bei Gott. Petrus aber sprach: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Er aber sprach zu ihnen: Es ist niemand, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder verlassen hat um des Reiches Gottes willen, der nicht Vielfältiges empfangen wird in dieser Zeit und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben« (Lukas 18,22-30).

Wir können dem Herrn wörtlich glauben und Ihm bezüglich der Folgen vertrauen

So also urteilt Der, von Dem wir glauben, dass in Ihm »alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis« verborgen sind, Der »wusste, was in dem Menschen war«, der alle verborgenen Einflüsse kennt, die das Herz regieren. Sein Urteil ist mit allem Ernst niedergeschrieben: »Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.« Sollen wir im Gegensatz dazu Reichtümer aufhäufen und damit unseren himmelwärts gerichteten Kurs unterbrechen, und nicht nur unseren, sondern auch den der »Kleinen«, die unser himmlischer Vater unserer besonderen und zärtlichen Fürsorge anbefohlen hat?

Wenn wir über den Umstand (und ich werde das nicht Unglück nennen) nachdenken, dass wir sterben könnten und unsere Familien in vielen scheinbaren Schwierigkeiten in dieser Welt zurückließen, so soll uns das nicht ängstlich machen, wenn der Gehorsam gegen ein göttliches Gebot sie und uns in eine solche Lage bringt. Unser Glaube kann dann die wohlbekannten Wahrheiten ergreifen, die uns helfen und trösten:

Der Urheber unserer Errettung wurde »durch Leiden vollkommen« gemacht und lernte »an dem, was er litt, den Gehorsam« (Hebräer 2,10; 5,8).
Der Apostel schreibt: »Wir rühmen uns aber auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Erfahrung, die Erfahrung aber Hoffnung; die Hoffnung aber beschämt nicht« (Römer 5,5).
Der Apostel konnte sich selbst und die bei ihm waren beschreiben »als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und alles besitzend« (2. Korinther 6,10).
Wollen wir wirklich die traurigen Folgen des Ungehorsams gegen Sein Gebot tragen?

Es sieht allerdings ganz anders aus, wenn wir über eine Familie nachdenken, die durch unsere eigene Arbeit und unseren Erfolg in einer Situation zurückbleibt, von der unser Herr selbst sagt, dass es beinahe unmöglich ist, dass man in ihr gerettet wird. Dann findet der Glaube nichts als die furchtbare Aussage: »Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.«

Darüber nachzudenken, dass die Situation einer solchen Familie unabänderlich feststeht, und das auch noch als Ergebnis der eigenen Anstrengung. Das führt durchaus dazu, dass Besorgnis, Traurigkeit und Kummer in den letzten Stunden eines christlichen Elternteiles hervorgerufen werden. Und dieses Empfinden kann sich zur Qual steigern, wenn er sich dessen bewusst ist, dass er das systematische Anhäufen von Reichtümern fortgesetzt hat, obwohl er ernstlich ermahnt wurde. Es kann sich auch zur Qual steigern, wenn er daran denkt, wozu dieses Geld hätte dienen können, wenn er es Tag für Tag seinem Herrn als Tribut geweiht hätte: Wie viele hätten mit dem Brot des Lebens gespeist werden können, die in Finsternis, Hoffnungslosigkeit und Sünde leben, weil ihnen die Sonne der Gerechtigkeit noch nicht aufgegangen ist.

Es ist nahezu unmöglich, dass jemand Reichtum hat und nicht darauf vertraut
Solche Ansichten und Empfindungen will die unvoreingenommene Betrachtung der Worte unseres Heilandes her vorbringen. Einige werden jedoch eilig versichern, dass Seine Worte zu solchen Schlüssen weder ermutigen noch berechtigen. Diese Versicherung werden sie mit dem Hinweis stützen, das besondere Versagen des Jünglings, dessen Verhalten die Beurteilung unseres Heilandes auslöste, habe in seiner Liebe zum Reichtum gelegen. Es sollte aber eigentlich zu erkennen sein, dass Er nicht sagt: »Wie schwerlich wird dieser reiche Mann in das Reich Gottes eingehen!« Er sagt vielmehr sehr allgemein: »Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes ein gehen!«

Manche denken, der Ausdruck »auf Güter vertrauen« in der Parallele in Markus 10,24 mildere die Schärfe der Worte unseres Heilandes beträchtlich. Solchen mag es helfen, wenn wir diesen Ausdruck im Zusammenhang des ganzen Abschnitts betrachten, in dem er vorkommt.

»Und Jesus blickte umher und spricht zu seinen Jüngern: Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Jesus antwortete und spricht wiederum zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es, dass die, welche auf Güter vertrauen, in das Reich Gottes eingehen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Öhr einer Nadel gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. Sie aber waren über die Maßen erstaunt und sprachen zueinander: Und wer kann dann errettet werden?« (Markus 10,23 26).

Im dreiundzwanzigsten Vers versichert unser Herr, dass es denen, die Güter haben, nahezu unmöglich ist, in das Reich Gottes einzugehen. Als Er das Erstaunen Seiner Jünger sieht, erklärt Er ihnen den Grund für Sein hartes Urteil. Er zeigt ihnen die Ursache für die Schwierigkeit, die nach Seiner Aussage fast zu einer Unmöglichkeit wird. Es ist für einen Reichen nahezu unmöglich, in das Reich Gottes einzugehen, weil er auf seinen Reichtum vertraut. Er benutzt diesen Ausdruck hier nicht in der Absicht, Reichtümer weniger gefährlich für ihren Besitzer erscheinen zu lassen, sondern vielmehr um zu erklären, warum sie so gefährlich sind. In Vers 25 finden wir die Wiederholung der allgemeinen Aussage mit einer Auswahl stärkster Worte. Das zeigt, dass der Herr diese Bedeutung beabsichtigte. Auch das nun noch größere Erstaunen der Jünger macht deutlich denselben Eindruck. Offenkundig brachte diese Aussage sie nicht dazu, die Lage der Reichen als weniger hoffnungslos und bedauernswert anzusehen. Sie rufen nämlich aus: »Und wer kann dann errettet werden?« So reagieren nur Menschen, deren Schwierigkeiten durch die Antwort, die sie erhielten, bestätigt und nicht beseitigt wurden.

Deshalb scheint die einfache Bedeutung dieses Abschnittes zu sein: Die Gefahr des Wohlstandes liegt darin, dass man auf ihn vertraut. Es ist genauso schwer, ihn zu besitzen und nicht zum Glücklichsein und Schutz auf ihn zu vertrauen, wie es schwer ist, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Deshalb sagt Er: »Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde… Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.«

Das Gute, das mit dem Reichtum getan werden kann, verbietet den Gedanken, ihn zu horten
Der Mensch, dessen Seele die Liebe Christi ergriffen hat, sieht diese Frage nicht nur von der Seite der Gefahr für sich selbst. Wie in jeder anderen Gabe sieht er auch im Reichtum ein Mittel, seinem Herrn Ehre zu bringen. Er kann damit die Kleinen Seines Reiches nähren und zur Ausbreitung des Wohlgeruchs Seines Namens beitragen. Das ist keine gesetzliche Verpflichtung, sondern eine goldene Gelegenheit. Die Zuneigung ergreift sie. Ein Siegeskranz des Ruhmes und der Ehre krönt zur Verherrlichung Gottes, des Vaters, Den als Herrn, Der die Herzen gewann und das Recht hat, uneingeschränkt über Seine Heiligen zu herrschen. Diesem Kranz darf sie ein Blatt hinzutun.

Die Worte Christi über die arme Witwe zeigen, dass Er will, dass dieses Gebot wörtlich genommen wird
Von der Beurteilung des Verhaltens des reichen Jünglings durch unseren Herrn lasst uns jetzt zu Seiner denkwürdigen Äußerung über die Freigebigkeit der armen Witwe über gehen. Wir finden sie in Markus 12,41-44:
»Und Jesus setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten ein legte; und viele Reiche legten viel ein. Und eine arme Witwe kam und legte zwei Scherflein ein, das ist ein Pfennig. Und er rief seine Jünger herzu und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben. Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrem Mangel, alles was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt.«

Der Welt konnte nichts unbedachter und unangemessener erscheinen als ihr Verhalten. Auch fürchte ich, wenige von uns hätten den Mut, jemandem zu empfehlen, hinzugehen und dasselbe zu tun. Wie aber urteilt unser Herr, dessen Urteil nicht dem äußeren Schein folgt, sondern ein gerechtes Urteil ist? Als Er sieht, dass sie ganz nach Seinem Gebot handelt und alles gibt, ruft Er Seine Jünger nicht, um sie am Beispiel dieser Frau davor zu warnen, Seine Worte wörtlich zu verstehen, wie Er es bei Petrus im Bezug auf den Gebrauch des Schwertes tat. Im Gegenteil: Er stellt die Besonderheit und unübertroffene Größe ihres Opfers heraus und lässt sie dafür bewundert werden. Die Reichen legten aus ihrem Überfluss viel ein; sie legte aus ihrem Mangel wenig ein, aber es war alles, was sie hatte, ihr ganzer Lebensunterhalt.

Die Apostel zeigten durch ihr Verhalten, dass sie glaubten, die Ermahnung des Herrn müsse wörtlich verstanden werden
Wir wollen jetzt einen Schritt weitergehen und uns vergewissern, wie die Apostel das Gebot des Herrn verstanden, mit dem wir uns beschäftigen. Lukas hat ihr Verhalten und das ihrer Anhänger so aufgeschrieben:
»Alle aber, welche glaubten, waren beisammen und hatten alles gemein; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer irgend Bedürfnis hatte. Und indem sie täglich einmütig im Tempel verharrten und zu Hause Brot brachen, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens.

Die Menge aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen wäre, sondern es war ihnen alles gemein. Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen, denn so viele Besitzer von Äckern und Häusern waren, verkauften sie, und brachten den Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen der Apostel; es wurde aber einem jeden ausgeteilt, so wie einer irgend Bedürfnis hatte« (Apostelgeschichte 2,44-46; 4,32.34.35).

Haben wir einen Grund zu sagen, die Belehrung des Heilands über den Wohlstand betrifft uns nicht?
Gibt es irgendeinen Grund, aus dem es für uns nicht mehr genauso wichtig ist wie für die ersten Christen, so »ein Herz und eine Seele« zu sein, wie es hier beschrieben wird? Wenn diese Gemeinschaft des Herzens und des Besitzes damals nach den Gedanken des Geistes war, warum nicht heute?

Wir haben eine allgemeine Anordnung, die das Verhalten unseres Herrn bestärkt, eine besondere Ermahnung dazu in Seiner Unterhaltung mit dem reichen Jüngling und eine gezielte Anerkennung im Fall der armen Witwe. Um uns zu ermutigen und zu drängen, haben wir außerdem nicht nur das Beispiel der Apostel, sondern aller, die in Jerusalem glaubten. Die einen haben der Wahrheit entsprechend gesagt: »Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.« Von den anderen wird uns der Wahrheit entsprechend gesagt: »Auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen wäre.«

Wir sollten alles mit anderen teilen, was wir über unsere gegenwärtigen Bedürfnisse hinaus erhalten
Ich möchte nebenbei anmerken, dass so ein Verhalten nicht unbedingt die Einrichtung eines gemeinsamen Fonds bedeutet, sondern wirksam dadurch erreicht werden kann, dass sich jeder Einzelne in den Haushalt des Glaubens einfügt, dessen Bedürfnisse fühlt und sich an seinem Wohl ergehen erfreut wie an dem eigenen. Diese Anteilnahme der Mitglieder der Familie der Heiligen wird durch Paulus sehr bekräftigt und schön veranschaulicht:
»Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet.

Denn nicht auf dass andere Erleichterung haben, ihr aber Bedrängnis, sondern nach der Gleichheit: in der jetzigen Zeit diene euer Überfluss für den Mangel jener, auf dass auch jener Überfluss für euren Mangel diene, damit Gleichheit werde; wie geschrieben steht: Wer viel sammelte, hatte nicht Überfluss, und wer wenig sammelte, hatte nicht Mangel« (2. Korinther 8,9.13-15).

In jener Zeit diente der Überfluss derer, die viel sammelten, dem Mangel derer, die wenig gesammelt hatten. So ist heute der Ertrag, den Gott uns über das hinaus gibt, was wir gegenwärtig brauchen, nur insoweit als ein Segen anzusehen, wie wir es verteilen, um die zeitlichen und geistlichen Nöte anderer zu erleichtern.

Es gibt keine Möglichkeit, die klare Bedeutung der Worte Jesu zu umgehen
Noch einmal frage ich, wie wir die Anwendung all dieser Vorschriften, Gründe, Ermahnungen, Warnungen und Bei spiele auf unsere Zeit umgehen können. Gibt es in der Heiligen Schrift irgendeine zeitliche Begrenzung, um die Liebe auszuüben, die die frühe Gemeinde auszeichnete? Sind nicht Demütigung und Leiden gerade das Kennzeichen dieser Haushaltung, wie sie es auch im Leben Dessen waren, Der sie einführte? Können wir nicht große Segnungen herbeiführen, wenn wir das Ich und die selbst süchtigen Interessen kreuzigen und die Gesinnung offen baren, die in Christo Jesu war?
Lasst die Streitgespräche und Spaltungen in der Gemeinde Gottes und lasst die Millionen reden, die niemals das Angebot der Rettung durch das Blut Jesu hörten! Lasst die Führer unserer Missionsgesellschaften reden, die von einem Ende des Landes zum anderen reisen, um ein kärgliches Almosen von fast widerstrebenden Christen einzusammeln – ja, die oft dahin gebracht werden, ihre Stacheln zur Schmach der Sache Gottes an den Schleifsteinen der Philister zu schärfen (siehe 1. Samuel 13,19-21).

Womit begründet man dieses Ausweichen? Nun damit, dass damals apostolische Zeiten waren und die Apostel noch lebten. Kann es denn einen stärkeren Grund geben, ihnen zu folgen, als den, dass sie Apostel waren und unsere Vorbilder sind? Die Tatsache, dass ihnen neben der geistlichen Triebfeder auch Wunderkräfte zur Verfügung standen, macht doch unsere Verpflichtung nur zwingender, die geistliche Triebfeder zu nutzen. Uns stehen Wunderkräfte nicht zur Verfügung, aber der Heilige Geist wirkt durch Seinen leisen, nicht unmittelbar zu beobachtenden Einfluss.

Manche könnten versucht sein zu fragen: »Hatten die Apostel die Wunderkräfte, die ihnen zur Förderung des Christentums anvertraut waren, nicht auch zu ihrem persönlichen Trost empfangen, und um Armut, Schmerz und Sorge entgegenzuwirken?« Diese möchte ich auf die Worte des Apostel Paulus verweisen. »Bis auf die jetzige Stunde«, sagt er, »leiden wir sowohl Hunger als Durst, sind nackt und werden mit Fäusten geschlagen und haben keine bestimmte Wohnung und mühen uns ab … (Ich war) in Arbeit und Mühe, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße« (1. Korinther 4,11; 2. Korinther 11,27).

Darin lag in der Tat der Grund der Apostel, sich zu rühmen und zu freuen: Sie wurden gewürdigt, für die Sache Dessen zu leiden, Der für sie gestorben war. Eben diese Leiden, die sie ertrugen, und die Opfer, die sie brachten, erwiesen sich als überaus wirkungsvoll für die Bekehrung anderer. Denn dadurch lenkten sie deren Aufmerksamkeit auf Den, Den sie liebten, und für Den sie gerne den Verlust aller Güter erduldeten. Sie empfanden, wie gesegnet der Einfluss des Leidens auf ihre eigenen Seelen war, und sie sahen, dass dies zur Bekehrung anderer gesegnet wurde. Indem sie über das hinaussahen, was sichtbar und zeitlich ist, schauten sie jenes über die Maßen überschwängliche, ewige Gewicht von Herrlichkeit, das ihre Leiden hervorbrachte (2. Korinther 4,17). Sie wussten, dass sie, wenn sie mit dem Herrn litten, auch mit Ihm herrschen würden.

Der Gehorsam gegen das Gebot des Herrn trug zum Erfolg der Apostel bei
Die vorangegangenen Gedanken beweisen, dass die Apostel das Gebot unseres Heilandes, alles aufzugeben, wörtlich verstanden. Deshalb scheint es überflüssig zu sein, noch mehr zu schreiben, zumal es mir allein darum geht, denen, die ihren Herrn und Meister inbrünstig aus reinem Herzen lieben, die Augen für das Verständnis Seiner Gedanken zu dem Thema dieses Buches zu öffnen.

Mein Anliegen ist nicht, um Geld, Zeit und Begabungen für den sichtbaren Dienst Christi zu werben. Mir geht es allein darum, dass diese der Wohlgeruch des Preises und Dankes an Den sind, »der uns liebt und von unseren Sünden gewaschen hat (wörtlich »gelöst«) in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater« (Offenbarung 1,5-6). Von den Erlösten, den Freigekauften des Herrn, wird kein erzwungenes Geben erwartet, sondern die freiwillige Huldigung der Herzen, die Ihn als Herrn über alles ehren.

Deshalb soll niemand erwarten, dass ich nun anfange, über die Ansichten anderer Schreiber zu Gericht zu sitzen. Das ist mir keinen einzigen Satz wert. Denn entgegenstehende Meinungen verpflichten uns praktisch zu nichts, und Empfindungen, die wir völlig teilen, sind deshalb noch nicht richtig.

Mir geht es um etwas ganz Anderes: Wir haben eine alte, irdische Natur und eine neue, himmlische. Deshalb müssen wir diese Frage so vollständig wie möglich behandeln, damit Satan an jeder Biegung durch ein »Es steht geschrieben« abgewiesen werden kann.
Eine Meinung zulassen bedeutet nämlich, eine Wahrheit zulassen; und eine Wahrheit zulassen beinhaltet die Verpflichtung, nach ihr zu handeln, selbst wenn dies unserem natürlichen Empfinden widerspricht. Das Zulassen der besonderen Wahrheit, über die wir nachdenken, packt genau an die Wurzel vieler natürlicher und sehr liebevoll gehegter Empfindungen. Manche von ihnen sind so ansprechend, dass wir uns kaum erlauben zu bezweifeln, dass sie von Gott sind.

Deshalb halte ich es für nötig, noch mehr über diesen Gegenstand zu schreiben und zu zeigen, dass das Annehmen dieser Wahrheit dem Erfolg der Apostel den Weg bereitete. Diese Wahrheit machte sie frei, ihrem Herrn dahin zu folgen, wohin Er sie als Seine »Soldaten« rief. Ich halte es auch für nötig zu zeigen, dass sie auch in unseren Tagen durch die Gnade Gottes große Dinge voll bringen wird. Es hat sich nichts geändert, denn ihre Quelle war und bleibt dieselbe: Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit. Er wohnt in uns in aller Weisheit und geistlichem Verständnis.

Diese Quelle wird fruchtbar sein, wenn die Welt meint, dass wir versagen, und auch dann, wenn wir Erfolg zu haben scheinen. Wenn wir nämlich Christus und die Grundsätze Seines Reiches offenbaren, dann sind wir ein Wohlgeruch Christi für Gott, ob sie unser Zeugnis annehmen oder nicht. Das gilt selbst dann, wenn wir wie Noah hundertzwanzig Jahre predigen und uns keiner beachtet.

Wie wirkt sich dieses Wort auf andere Gebote aus?

Der Gehorsam gegen verschiedene Gebote Christi ist dem nahezu unmöglich, der Reichtum aufhäuft
Ich werde nun ausführen, wie sich die Lehre des Herrn gegen das Sammeln von Schätzen auf verschiedene andere Gebote auswirkt, die Er gab. Und ich möchte zeigen, wie schwierig und nahezu unmöglich es ist, diesen an deren Geboten zu gehorchen, wenn man Seiner Lehre gegen das Sammeln von Schätzen nicht folgt.

Wohlstand hindert uns daran, in den großen Auftrag einzuwilligen, indem er uns mit materiellen Dingen beschäftigt
»Gehet hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung« (Markus 16,15) war das Abschieds gebot unseres Heilandes. Unsere Kenntnis oder Unkenntnis des einzigen Namens unter, dem Himmel, in welchem wir errettet wer den müssen, hing entscheidend davon ab, ob dieses Gebot wörtlich angenommen wurde. Denn es heißt: »Wie werden sie hören ohne einen Prediger? Wie aber werden sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind?« (Römer 10,14).

Auf diese Weise regiert Gott immer noch. Hätte es in den Anfangstagen des Christentums dieselben Zweifel an diesem Gebot (gegen das Sammeln von Schätzen auf der Erde) gegeben, die sich in diesen letzten Zeiten zeigen, so hätte die Gemeinde ihren Einfluss kaum über die Grenzen Judäas hinaus ausgedehnt.
Gott sei Dank, hatten die ersten Christen aber ein Empfinden dafür, dass das ihrer Verwaltung anvertraute Evangelium »Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden« ist (Römer 1,16). Sie fühlten, dass diese große Tat unübertrefflicher Liebe nach den Gedanken Dessen, Der sie mit ewiger Liebe geliebt und sich selbst für sie dahingegeben hatte, der ganzen Schöpfung kundgetan werden sollte. So konnten sie Ihn verherrlichen und zur Errettung der Enden der Erde beitragen.

Deshalb achteten sie alles für Verlust, um Seinen Willen zu erfüllen und Sein Reich zu fördern.

Warum ist dieser Geist seit so vielen Jahrhunderten eingeschlafen? Weil von den Menschen ein jeder das Seinige gesucht hat und nicht das, was Christi ist. Der Herr sagt: »Gehet hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.« Jeder frage sein Herz in der Gegenwart Gottes, unter welcher der beiden folgenden Bedingungen er am ehesten bereit wäre, dieses Gebot zu befolgen. Wenn er sich für die Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens mühte, sie genösse und sich und seine Familie gegen jeden Mangel sicherte? Oder wenn er, wie die Apostel und die ersten Christen, jede irdische Verstrickung ablegte und in der Bereitschaft wartete, zu gehen oder zu bleiben, wie es der Geist Gottes bestimmt?
Gibt es irgendeinen Zweifel, wessen Herz auf die Frage »Wer wird für uns gehen?« am ehesten bereit ist zu antworten: »Hier bin ich, sende mich« (Jesaja6,8)? Wer ein einfältiges Auge hat, weil das einzige Ziel seines Lebens ist, seinen Herrn zu verherrlichen, der wird bereitwillig antworten: »Hier bin ich.« Wer dagegen von den Sorgen und Annehmlichkeiten dieser Welt umgeben ist und noch viel irdische Ansprüche und Verpflichtungen zu ordnen hat, der wird stumm bleiben. Die Frage »Wer wird für uns gehen« wird seinen Ohren unwillkommen sein. Sie wird die edelsten Empfindungen seines Herzens gefrieren lassen. Sie wird ihn nicht beflügeln, sondern das Siegel des Schweigens auf seine Lippen setzen.

Das soll keinesfalls heißen, dass jeder Christ im allgemeinen Sinn dieses Ausdrucks ein Missionar werden soll. »Es sind aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber derselbe Geist; und es sind Verschiedenheiten von Diensten, und derselbe Herr« (1. Korinther 12,4). Der eine hat vom Geist einen Dienst empfangen, der ihn verpflichtet, zu gehen und persönlich das Evangelium zu predigen. Ein anderer lässt die Leitung desselben Geistes dadurch sichtbar werden, dass er sorgfältig für die Bedürfnisse dessen aufkommt, der geht und »nichts von den Nationen« nimmt (3. Johannes 7). Er gibt von dem Überfluss, den er mit hingebungsvoller Sorgfalt in seinem ehrlichen Beruf und durch seine unbeugsame Haltung der Selbstverleugnung erzielt.4

Das Gebot, seinen Nächsten zu lieben, verbietet die selbstsüchtige Anhäufung von Reichtum
Betrachtet auch das wichtige Gebot: »(Du) sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Entspricht es eigentlich der Wahrheit, wenn wir sagen, wir lieben unseren Nächsten wie uns selbst, während wir zulassen, dass er verhungert, obwohl wir genug und darüber hinaus haben? Sollte ich nicht jeden anflehen, der sich der unaussprechlichen Gabe Gottes erfreut, und ihn fragen: »Würdest du dieses Wissen mit all dem Trost und Segen, den du dadurch erhältst, für hundert Welten eintauschen, wenn man sie dir anböte?« Wir wollen da rum die Mittel nicht zurückhalten, durch die andere dieses heiligende Wissen und diesen himmlischen Trost erlangen können.

Setzen wir unseren Wohlstand vernünftig ein, wenn wir versuchen, im Voraus (sorgend) Schwierigkeiten zu beseitigen, die vielleicht unseren Enkeln begegnen könnten? Diese Schwierigkeiten werden doch Beweise der Liebe des Vaters an den Enkeln der Diener Gottes sein! Denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt! Diese Schwierigkeiten sind doch dazu bestimmt, ein über die Maßen überschwängliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit zu bewirken! 5
Sind nicht genau diese Schwierigkeiten, Gefahren und Anfechtungen, gegen die wir so gerne vorsorgen möchten, die Kennzeichen, die Jesus Christus und Seine Apostel und Propheten herausragen ließen, und die Mittel, durch die die Apostel und Propheten dem Herrn ähnlicher wurden?

Wie können wir denn nun unseren Wohlstand am nützlichsten einsetzen? Zu unserem eigenen Vorteil oder zum Vorteil anderer? Dadurch, dass wir von unserem Christenweg all die Hindernisse wegräumen, die unserem Fort schritt dienen sollen und Kennzeichen unserer Berufung sind? Oder dadurch, dass wir das Reich Christi mit all der Energie fördern, die ein einfältiges Auge den begrenzten Kräften verleihen kann, wenn es durch den Geist Gottes geleitet und genährt wird?

Christliche Hingabe und das Sorgen für die eigenen Kinder sind miteinander vereinbar
Man hat gesagt, manche gottesfürchtigen Männer hätten unverschämterweise ihre Kinder der christlichen Öffentlichkeit als Last zurückgelassen und so ihre Berufung entwürdigt. Nun gibt es Eltern, die einen weiten Blick für die Hingabe haben. Sie verwirklichen diese in aller Einfachheit mit jener strengen Ehre und Ehrlichkeit, die immer der Wohltat gegen andere vorausgehen muss.

Wenn das dazu führt, dass ihre Kinder unversorgt bleiben, dann muss Schande und letztlich völliger Verlust auf die kommen, die überleben und nicht für die Bedürftigen sorgen. Denn sie sind so tot gegenüber den Vorrechten des Evangeliums, dass sie entweder vergessen haben, dass einmal sehr deutlich gesagt wurde: »Wer irgend ein solches Kindlein aufnehmen wird in meinem Namen, nimmt mich auf« (Matthäus 18,5), oder die Gelegenheit missachten und die Ehre und den Segen verschmähen, einen solchen Gast zu bewirten.

Ach, wenn wir unseres Heilandes Ausspruch wirklich glaubten, wie hoch würden wir die Gelegenheit schätzen, unseren Meister zu verherrlichen! Wir würden sie von Herzen ergreifen und der Welt einmal mehr zeigen, »wie sehr sich diese Christen lieben«!

Es ist besser, Kinder arm und abhängig zurückzulassen als reich und bequem
Wenn wir diese Frage falsch beurteilen, so liegt es wohl daran, dass wir von Satan und der Welt, die er beherrscht, die tief verwurzelte Ansicht gelernt haben, Wohlstand und Bequemlichkeit seien besser für unsere Kinder als Armut und Abhängigkeit.

Nach der gesamten Aussage des Neuen Testamentes ist diese Ansicht aber falsch. Ließe man hundert Personen für ihre Kinder das auswählen, was den klaren Grundsätzen des Christentums und den Aussagen seines Urhebers und Dessen Apostel entspricht, sie kämen alle zu einem Ergebnis: Armut und Abhängigkeit.

Unser Herr sagt: »Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen!« Wir aber handeln, als hätte Er gesagt: »Wie schwerlich werden die eingehen, die ohne Güter sind.« Ich möchte keineswegs die uneingeschränkte Herrschaft des Herrn antasten. Zweifellos ist es für Ihn dasselbe, durch viele oder wenige zu wirken – durch Arme oder Reiche. Eines aber muss bestehen bleiben: »Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen.«6

Stell dir vor, ein Arzt kommt zu einer Familie, die Tuberkulose hat. Seine Verordnung ist frei von Irrtum. Sie lautet: »Wie schwierig wird diese Familie im nördlichen Klima überleben. Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Öhr einer Nadel gehe, als dass eure Kinder dem Verderben der nördlichen Stürme entgehen.« Wenn du darauf siehst, dass diese Familie nach dem Norden reist, so müsstet du daraus schließen, dass sie entweder dem Arzt nicht glauben oder absichtlich alles tun, was sie können, um ihre Kinder umzubringen.

Das Ergebnis der Abhängigkeit vom Herrn ist die Verherrlichung Gottes und Segen für die Menschen
Ich bitte euch noch einmal, mich nicht falsch zu verstehen, als glaubte ich, das ganze Christentum bestände darin, Geld, Zeit und Begabungen aufzugeben. Wenn dies nicht Ausdruck der Liebe zum Herrn ist und dem Verlangen entspringt, Seine Verherrlichung zu fördern, dann ist es ein tönendes Erz und eine schallende Zimbel. Und dennoch ist es die Weise, wie sich die Liebe im Innern nach außen zeigt. Sie huldigt so der Wahrheit, auch wenn die Heuchelei sich ähnlich verhalten kann. Der selbstgerechte Pharisäer mag der Hingabe den Anschein eines nichtigen und hassenswürdigen Tauschhandels mit dem Himmel geben. Doch es bedarf nur geringen geistlichen Verständnisses, um zu erkennen, dass dies einer anderen Quelle entspringt und an einem anderen Ziel endet. Der eine beginnt bei sich und endet bei sich. Der andere beginnt bei Christus und endet bei Christus.

Der Herr verlangt nur deshalb von Seiner Gemeinde, um nichts besorgt zu sein, damit Er sichtbar machen kann, wie Er für sie sorgt und über sie wacht. Es ist mit Sicherheit das unaussprechlichste Vorrecht, dass wir alle unsere Sorge auf Gott werfen dürfen und fühlen, dass wir dadurch von der Sklaverei der irdischen Erwartungen befreit werden und ohne Furcht und Anspannung die Wahrheit in Liebe sagen können. Was ist die herrliche Freiheit der Kinder Gottes anderes, als nur von dem Einen abhängig zu sein, »der allen willig gibt und nichts vorwirft« (Jakobus 1,5).

Er sagt: »Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch auf getan werden. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden.« Gott lässt sich in seinem Erbarmen herab, mit uns so zu argumentieren: »Welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bitten würde, ihm einen Stein geben wird? und wenn er um einen Fisch bitten würde, ihm eine Schlange geben wird? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten« (Matthäus 7,7-11).

Lasst uns deshalb jetzt den Willen eines solchen Vaters tun und Ihm für die Zukunft vertrauen. »Denn er hat gesagt: Ich will dich nicht versäumen noch verlassen; sodass wir kühn sagen mögen: Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun« (Hebräer 13,6). »Vertraue auf den Herrn und tue Gutes; wohne im Lande und weide dich an Treue« (Psalm 37,3).

Wäre es doch so, dass jeder, der glaubt, dass er durch das kostbare Blut Christi erkauft worden ist, sich so völlig als der erworbene Besitz Dessen fühlte, Der ihn so teuer erkauft hat, dass er fortan entschlossen ist, nichts mehr zu kennen als Christum, und Ihn als gekreuzigt! Wäre es doch so, dass das Volk des Herrn keine andere Arbeit kennte, als die überaus gute Botschaft von der Errettung in Ihm über die ganze Welt zu verbreiten, bis jedes Herz der Familie der Erlösten aus demselben überfließenden Becher des Trostes trinkt! Wie bald würden dann Tausende auf die Bedürfnisse der ganzen bewohnten Erde reagieren mit dem Ruf: »Hier bin ich, sende mich.« Die Schafe, zu denen die gute Botschaft getragen würde, würden die Stimme des Hirten erkennen und solche Boten des Friedens dankbar aufnehmen, da sie an ihren Früchten sehen, dass Gott wahrhaftig in ihnen ist.

Glaubt nicht, das gehe zu weit! Unser Herr sagt: »Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebet, gleichwie ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat niemand, als diese, dass jemand sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was irgend ich euch gebiete« (Johannes 15,12- 14). Hier befiehlt uns unser Herr zuerst, einander zu lieben, wie Er uns geliebt hat. Dann weist Er uns darauf hin, dass das Hingeben Seines Lebens der erhabenste Beweis jener Liebe ist, der geliefert werden kann. Wenn nun das Beispiel unseres Herrn und die Ermahnung des Apostels bezeugen, dass wir schuldig sind, »für die Brüder das Leben darzulegen«, 7 wie viel mehr sollten wir unsere Habe mit ihnen teilen.

Wenn wir unsere Habe mit anderen teilen, überzeugen wir sie von der Wirklichkeit unseres Glaubens und lehren sie durch unser Vorbild, sich selbst zu verleugnen
Wir alle wissen, welche überzeugende Macht der Tod der Märtyrer auf die Sinne derer ausübte, die Zeugen davon wurden. Ebenso würde auf ihre Weise die Hingabe von Eigentum, Zeit und Begabungen in der heutigen Zeit eine ähnliche Wirkung haben. Sie würde die überzeugen, die wir gerne von der Wirklichkeit unseres Glaubens an den Erlöser und an die Erbschaft überzeugen möchten, den sie nur noch für Worte halten, weil das Christentum durch den weltlichen Geist zu vieler Bekenner entstellt wird.

Wie anders würden die Ungläubigen unseren Wunsch an sehen, die Barmherzigkeit unseres verherrlichten Herrn zu verkündigen, wenn der mühsame und leidvolle Geist jener ersten Zeit noch einmal auf dieses bequeme Zeitalter käme, in dem wir leben! Wie würde es sie beeindrucken, wenn sie in uns die Liebe entdeckten, die die ersten Christen dazu brachte, alles zu erdulden um der Auserwählten willen, damit auch diese die Errettung erlangen, die mit ewiger Herrlichkeit in Christus Jesus ist. Vorbild ist eine fruchtbare Quelle der Selbstverleugnung.

Wenn wir solche, die nichts von dem Wohlgeruch des Namens wissen, der ein ausgegossenes Salböl ist, auffordern, alles für diesen Namen aufzugeben (und genau das erwarten wir von jedem Hindu oder Moslem), dann lasst uns, die wir auffordern, das auch selbst tun. Wir bekennen, viel von der Macht dieses Namens zu wissen. Lasst uns alles für Christus aufgeben, damit sie durch das, was wir ihnen vorleben, denselben Geist ergreifen.

Lasst uns in Wahrheit den Beweis erbringen, dass wir die Welt nicht lieben, und auch nicht die Dinge dieser Welt, sondern dass die Liebe des Vaters in uns ist. »Denn alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit« (1. Johannes 2,16-17).

Wie steht der Verstand zu diesem Wort?

Der Verstand muss der Offenbarung des Wortes Gottes über die völlige Hingabe zustimmen
Ich möchte jetzt einige Gründe anführen, die zeigen, wann der Verstand die Offenbarung des Wortes Gottes über die völlige Hingabe, für die ich eintrete, einfach bestätigen muss. Dies ist der Fall, wenn die Ausbreitung der Gesinnung des Reiches Christi (und das ist eine Gesinnung der Selbstverleugnung zum Wohle anderer) das Ziel der Gemeinde ist. Dies aber ist ihr rechtes Ziel, und deshalb sollte es das große Ziel unseres Lebens sein, diese Gesinnung auszubreiten. Danach zu forschen, wie wir dies am wirksamsten erreichen können, sollte bei unserem Forschen an erster Stelle stehen.

Das Vorbild völliger Hingabe hat einen sehr starken Einfluss auf unsere Kinder
Wir wollen deshalb damit beginnen, über unsere Kinder nachzudenken. Wie sollen sie die Gesinnung des Reiches unseres Herrn lernen und leben?

Jeder, der sich Christ nennt, sagt, er wünsche, dass sich seine Kinder nach diesem Segen ausstrecken und ihn ergreifen. Jeder, der wirklich Christ ist, wünscht dies aus tiefstem Herzen. Die Lippen aller und die Herzen der Heiligen erklären fortwährend, dass sie sich wünschen, dass ihre Kinder das Wort der Wahrheit annehmen, »nicht als Menschenwort … sondern, wie es wahrhaftig ist, als Wort Gottes« (1. Thessalonicher 2,13). Sie beten darum, dass ihre Kleinen es schätzen und annehmen möchten als eine Leuchte ihrem Fuße und ein Licht für ihren Pfad. Sie wünschen, dass ihre Kinder es schätzen als die größte und beste Gabe Gottes, die nur Der übertrifft, von Dem sie Zeugnis gibt und Dem sie ihre Kostbarkeit verdankt.

Wie kann der Christ nun am wirkungsvollsten und praktischsten die sich öffnenden, aufnahmebereiten Sinne seiner Kinder an dieses Wort der Wahrheit heranführen?

Durch ein Leben, das dem Studium dieses Wortes geweiht ist, das den Willen Dessen offenbart, Den er liebt, und Ihn selbst, von dem es zeugt, so dass die Kinder wahre Inhalte mit wahren Worten verbinden?
Dadurch, dass er einfach den Vorschriften des Wortes folgt, die ihm in allen Dingen genügen und dafür sorgt, dass auch andere dieses Wissen erlangen, weil es für sie ebenso wichtig ist?
Dadurch, dass er seine Zeit und seine Begabungen diesem Zweck weiht?
Durch die ständige Haltung der Selbstverleugnung, um immer noch größere Mittel bereitzustellen, damit das Werk vollendet wird, für das (er möchte, dass seine Kinder es glauben) Jesus, ihr Heiland, den Schoß des Vaters verließ und auf die Erde kam, und damit das Evangelium gefördert wird, für das die Apostel und Märtyrer allen zeitlichen Vorteil als Verlust achteten und bereit waren, den Raub aller Dinge zu erleiden?
Oder etwa dadurch, dass er mit den gewichtigsten Aus drücken davon spricht, wie einzigartig und bedeutend dieses Werk ist, und seine Worte mit einer Spende von hundert oder tausend Euro im Jahr zur Förderung dieser Sache verstärkt, sonst aber für zeitliche Annehmlichkeiten und Genüsse sorgt wie die Welt?
Solange der menschliche Sinn durch Vorbilder beeinflusst werden kann, werden die vier ersten Möglichkeiten am stärksten auf den jugendlichen Sinn wirken. Unmittelbar und fast unüberwindlich werden sie dazu beitragen, in ihm die Überzeugung auszuprägen,

dass wir die Wahrheit aufrichtig lieben;
dass unsere Hingabe an ihren großen Urheber Wirklichkeit ist;
dass unser tiefes Empfinden der Notwendigkeit völliger Hingabe der einzige Führer zu Reinheit und Glück ist;
dass es unser großes Verlangen ist, dass alle Menschen die Wahrheit kennen, annehmen und ergreifen möchten.
Natürlich sind diese Überzeugungen noch keine Bekehrung. Aber sie können Gottes Werkzeuge sein – und sie sind es fortwährend. Sie lassen den Sünder stille stehen und lenken seine Aufmerksamkeit auf Jesus. Sie führen ihn über das Annehmen des Glaubens hinaus zu dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, so dass dieser Glaube in seinem Herzen Wirklichkeit wird.

Greifen wir dagegen nach zeitlichen Bequemlichkeiten, Annehmlichkeiten und Vergnügungen für unsere Kinder oder für uns selbst, so hat dieses die entgegengesetzte Wirkung. Es zeigt nämlich, dass es in unserem Herzen ein der Hingabe widerstrebendes Interesse gibt: die Liebe zur Welt. Es schwächt die Überzeugung unserer Kinder, dass wir es ehrlich meinen, und vermindert in gleichem Maße ihre praktische Überzeugung, dass wir nur »eines« für nötig halten.
Besser als jeder andere Mensch kennt der wahre Diener Gottes den wirklichen Wert des Geldes, den wirklichen Wert der Zeit und den wirklichen Wert der Begabungen, welcher Art sie auch sein mögen. Er ist dementsprechend äußerst emsig in seinem Beruf, äußerst sparsam mit seiner Zeit und äußerst bestrebt, seine Begabungen zu verbessern, soweit sie den Interessen des Reiches Christi dienen können. 8 Er weiß, dass das geheimnisvolle Handeln Gottes uns auf den Wegen Seiner Vorsehung auf das engste miteinander verbunden hat. Er weiß, dass Der, Der am Kreuz hing, jedes Mittel segnen wird, das unter das Kreuz gebracht wird. Er wird es dann mit Seinem Segen in Seinen Dienst stellen, damit Er das Ziel Seiner Barmherzigkeit erfüllt.

Wir müssen ebenso aufhören, für unsere Kinder zu sammeln, wie wir aufhören müssen, unser Ich zufrieden zu stellen
Wenn es um das Sammeln für unsere Kinder geht, so glaube ich, dass es dem Buchstaben und dem Geist des Evangeliums widerspricht, und damit auch den besten Interessen unserer Kinder. Darum zögere ich nicht, voller Überzeugung zu empfehlen, dass es aus diesem Grunde ebenso abgeschafft werden sollte wie alle Ausgaben für das egoistische Ausleben unserer Neigungen.

Die Absicht jedes einzelnen Gebotes in der Schrift wird von der täglichen Erfahrung bestätigt. Dies gilt auch für die Gebote, Ermannungen und Ermutigungen, die Vorsorge sein zu lassen. Es muss deshalb offensichtlich zum Glück eines Kindes Gottes beitragen, wenn es nach einem Verhalten strebt, das ihm sein Herr selbst so auferlegt hat. Dies gilt selbst dann, wenn die Offenbarung sehr viel weniger ausdrücklich ist als die zu unserem Gegenstand, der eindeutig behandelt wird und keinen Raum für Zweifel lässt.9

Nur ein »einfältiges Auge« kann unsere Treue bei einer so versuchungsträchtigen Verwaltung sicherstellen, wie sie den Wohlhabenden10 unter uns anvertraut ist. Die Umstände einer solchen Verwaltung haben eine bemerkenswerte Kraft,

uns für ungeeignete Ziele zu interessieren und begeistern;
uns auf andere Ziele in unangebrachtem Maße zu fixieren;
uns dahin zu führen, dass wir das Wesen wahren GIücks missverstehen und die Dinge nach einem Maßstab bewerten, der völlig verschieden ist von klarsten und häufig wiederholten Aussagen des Evangeliums.
Wenn wir also unter diesen Umständen den persönlichen Annehmlichkeiten und Genüssen sowie der Selbstdarstellung in dieser Welt (von denen Satan uns einflüstert, sie machten einflussreich) Bedeutung zukommen lassen, dann können wir leicht sagen, wie das Ergebnis ausfallen wird. Jeder wird auf das Seinige sehen, und nicht auf das der anderen.

Ist das nicht das Bild der bekennenden Gemeinde Christi heute? Steht da vielleicht jemand auf und sagt: »Dies mag auf andere zutreffen, aber nicht auf mich. Ich gebe zehn Euro für dies, zehn Euro für das und weitere zehn Euro für noch etwas anderes.« Ich antworte ihm: »Ja, das tust du. Und genauso viele hundert und sogar tausend Zehner gibst du für dein Ich aus, dessen Begierden getötet und dessen Ansprüche beschränkt werden sollten.«

Das Begehren materiellen Gewinns betrügt und beeinträchtigt oft das Urteil bezüglich der Führung Gottes in unserem Leben
Wie sehr würde sich das Urteil der christlichen Welt im Hinblick auf die Führungen der Vorsehung ändern, wäre der Blick nur auf die Verherrlichung Gottes ausgerichtet! Wäre Seine Verherrlichung unser einziges Ziel, so würden wir alle dahin kommen, auf dem Pfad zu Einfluss und Ehre mit sehr viel zögernderem Schritt und mit gezügelterer Energie vorwärts zu stürmen.

Wie zurückhaltend wird der Diener Christi, der erfolgreich unter vielen tausend Seelen arbeitet, gegenüber der Möglichkeit sein, ein höheres Einkommen zu erzielen. Denn dies ist oft mit einem geringeren Umfang an Nützlichkeit verbunden. Er wird es nicht sofort als eine Führung der Vorsehung ansehen, die ihn ermutigt und geradezu von ihm fordert, sich zu verändern. Eher wird er dazu neigen, die Möglichkeit eines höheren Einkommens als eine Versuchung Satans zu werten, der sie ihm in den Weg legt, um so den Umfang seiner Nützlichkeit zu vermindern.

Dieser boshafte, mächtige Geist, Satan, versucht zweifellos jetzt die Diener, wie er einst den Herrn versuchte, als er sagte: »Ich will dir all diese Gewalt und ihre Herrlichkeit geben; denn mir sind sie übergeben, und wem irgend ich will, gebe ich sie. Wenn du nun vor mir anbeten willst, so soll sie alle dein sein« (Lukas 4,6). Wir sollten niemals vergessen, dass diese Macht Satans über die Welt und über die Dinge der Welt ihm vom Herrn zugestanden wird, wenn Er ihn den »Fürst der Welt« nennt (Johannes 14,30). Die Angebote dieses »Fürsten der Finsternis« rühren in uns gewisse Seiten an, die wir als fürsorglich und liebenswert ansehen.

Wer andererseits eine Einkommensverbesserung als ein heiliges, anvertrautes Gut ansieht und gebraucht, der ist für solchen Betrug im Hinblick auf die Vorsehung nicht empfänglich. Er hat kein persönliches Interesse an den finanziellen Vorteilen, die sich aus irgendeiner Situation ergeben. Er fragt sich einzig, ob sich hier die Möglichkeit bietet, dem Herrn am besten zu dienen und Ihn am besten zu verherrlichen.

Wenn ihm sein himmlischer Vater Wohlstand sendet, der über die derzeitigen Bedürfnisse hinausgeht, fragt er sich nicht: »Könnte es nicht sein, dass ich diesen Überfluss zu einem späteren Zeitpunkt brauche? Oder, wenn ich ihn nicht selbst brauche, dann vielleicht meine Frau, meine Kinder oder meine Verwandten?« Er wagt nicht, so voller Unglauben zu fragen. Er maßt sich auch nicht an, den Überfluss der vergangenen Barmherzigkeiten Gottes zu einem Anlass dafür zu machen, dass er Ihm für die Zukunft nicht mehr vertraut.

Er weiß, dass ihm und seinen Freunden alle Segnungen am sichersten sind, wenn sie den Willen Gottes tun und ohne Abstriche den Verheißungen des Gottes vertrauen, der gesagt hat: »Vergisst (etwa) eine Frau ihren Säugling, dass sie sich nicht erbarmt über den Sohn ihres Leibes? Sollten selbst diese vergessen, ich werde dich niemals vergessen« (Jesaja 49,15). Darum gibt er umsonst weiter, was er umsonst bekommen hat, und vertraut für die Zukunft mit aufrichtiger, kindlicher und einfältiger Zuversicht auf die Verheißungen seines himmlischen Vaters.

Wer Gott für die Zukunft vertraut, versucht ihn damit nicht
Es ist nur natürlich, dass die hier geäußerte Ansicht bei manchen, die nach der Wahrheit forschen, die Frage auf wirft: »Heißt das nicht Gott versuchen?« Die Schrift begegnet dieser Schwierigkeit mit vielen interessanten Antworten, von denen ich einige auswählen will.

Der Herr segnete Abraham dafür, dass er die Zukunft und ihre Folgen Ihm überließ
Abraham wurde aufgefordert, seine Verwandten und sein Land zu verlassen und sein Vertrauen unter den Schatten der Flügel des Allmächtigen zu legen. Er ging und wusste nicht, wohin er ging und wie für ihn gesorgt werden sollte. Dieser Glaube ist das besondere Merkmal seines Gehorsams. Das empfinden und schätzen alle Christen. Sie möchten gerne, dass ihr eigenes Leben von dieser geistlichen Haltung geprägt ist.

Wir beobachten diesen Glaubensgehorsam auch, als er seinen Sohn opfert. Sein Ja zu Gottes Befehl scheint Wie steht der Verstand zu diesem Wort? Seiner sehnlichsten Hoffnung den Todesstoß zu versetzen. Aber er vertraute darauf, dass Gott trotzdem Seine Verheißung erfüllen würde. Hierin zeigt sich eine Zuversicht, die ruhig das erwartete, was jenseits der Grenzen aller menschlichen Wahrscheinlichkeit lag. Er zögerte nicht zu gehorchen, weil er glaubte, dass Gott Seinen Sohn aus den Toten auferwecken konnte. Das sagt uns der Schreiber des Hebräerbriefes. War das Gott versuchen?

Was sagt das Wort Gottes? »Und der Engel des Herrn rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, dass, weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, ich dich reichlich segnen und deinen Samen mehren werde, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist; und dein Same wird besitzen das Tor seiner Feinde; und in deinem Namen werden sich segnen alle Nationen der Erde; darum dass du meiner Stimme gehorcht hast« (1. Mose 22,15-18).

Gott sorgte für die wehrlosen Frauen und Kinder der gehorsamen Israeliten
Weiter steht in 2. Mose 34 geschrieben: »Dreimal jährlich sollen alle deine Männlichen erscheinen vor dem Angesicht des Herrn Gottes, des Gottes Israels. Denn ich werde die Nationen vor dir austreiben und deine Grenzen erweitern; und niemand wird deines Landes begehren, wenn du hinaufziehst, um vor dem Angesicht des Herrn, deines Gottes zu erscheinen dreimal im Jahr.« Versuchten sie Gott, wenn sie diesem Gebot gehorchten?

Zweifellos nicht. Natürlich ist es sehr schwierig, die wehrlosen Frauen und Familien eines ganzen Volkes zu bewahren, während alle Männer nicht zu Hause sind, sondern in Jerusalem. Ist dies nicht viel schwieriger, als genügend für den Unterhalt derer zu sorgen, die täglich arbeiten? So wurde doch die große Masse der Menschheit schon immer versorgt. Und daran hat sich nichts geändert.

Der Herr versorgte die gnädiglich, die Seinen Sabbat hielten, doch dem Ungehorsam folgt unweigerlich sein Gericht
Das von Gott eingeführte Sabbatjahr scheint mir ein weiteres, sehr passendes Beispiel zu sein. Wir wollen uns deshalb einen Augenblick mit den Geboten und Verheißungen beschäftigen, die mit seiner Beobachtung verbunden sind. Aber wir wollen nicht übersehen, dass auch Drohungen ausgesprochen und Strafen auferlegt werden für den Fall, dass der Gehorsam verweigert wird.

»Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinberg beschneiden und den Ertrag deines Landes einsammeln. Aber im siebenten Jahr soll ein Sabbat der Ruhe für das Land sein, ein Sabbat dem HERRN; dein Feld sollst du nicht besäen und deinen Weinberg nicht beschneiden. Und wenn ihr sprecht: Was sollen wir im siebenten Jahre essen? siehe, wir säen nicht, und unseren Ertrag sammeln wir nicht ein: Ich werde euch ja im sechsten Jahre meinen Segen entbieten, dass es den Ertrag für drei Jahre bringe; und wenn ihr im achten Jahre säet, werdet ihr noch vom alten Ertrag essen; bis ins neunte Jahr, bis sein Ertrag einkommt, werdet ihr Altes essen.
Und wenn ihr alledem nicht gehorcht und mir entgegen wandelt … ich werde das Land verwüsten … euch aber werde ich unter die Nationen zerstreuen … und euer Land wird eine Wüste sein und eure Städte eine Öde. Dann wird das Land die Sabbate genießen; alle Tage seiner Verwüstung wird es ruhen, was es nicht geruht hat in euren Sabbaten, als ihr darin wohntet« (3. Mose 25,3.4.25; 26,27.32-35).
Wir sehen später, wie diese Drohung vollzogen wird: »Und die vom Schwerte Übrig gebliebenen führte er nach Babel hinweg; und sie wurden ihm und seinen Söhnen zu Knechten, bis das Königreich der Perser zur Herrschaft kam; damit erfüllt würde das Wort des HERRN durch den Mund Jeremias, bis das Land seine Sabbate genossen hätte. Alle diese Tage seiner Verwüstung hatte es Ruhe, bis siebzig Jahre voll waren « (2. Chronika 36,20-21).11

Wir wollen uns durch diese Beispiele vor Zweifel, Misstrauen und Ungehorsam warnen lassen
Es ist sehr lehrreich, am Beispiel vor Augen zu haben, wie Gott regiert. Wir sahen Abrahams Gehorsam und seine Belohnung und den Ungehorsam und die Bestrafung seiner Nachkommen. Abrahams Verhalten schien ihn auf einen Weg zu bringen, an dessen Ende der Verlust alles dessen stand, was ihm teuer war. Dennoch begegneten ihm auf dem Weg des Gehorsams ungeahnte Barmherzigkeiten und Wohltaten. Für das natürliche Auge waren seine Nachkommen scheinbar auf einem Weg der Sicherheit und Fülle, als sie die Gebote missachteten, dreimal im Jahr nach Jerusalem zu gehen und das Sabbatjahr zu beobachten. Aber ihre Feinde brachten Hungersnot und Zerstörung über das Land. Sie selbst und ihre Frauen und Kinder wurden in die Gefangenschaft weggeführt.

Nun, es war natürliche Besorgnis, wenn die Juden fragten: »Was wird aus unseren Frauen und Kindern, wenn wir in Jerusalem sind?« oder wenn sie fragten: »Was wird im siebenten Jahr aus unserem Haushalt?« Natürliche Besorgnis ist so mächtig und liebenswürdig, dass sie die Entscheidungen des menschlichen Herzens beeinflussen kann. Aber in eben dieser Besorgnis lag der Grund für ihren Zweifel, ihr Misstrauen und ihren Ungehorsam. Es hat sich also als völlige Torheit erwiesen, dass sie sich anmaßten diesen mächtigen Forderungen des Herzens gegen ein Gebot Gottes zu folgen. Wir wollen uns dadurch warnen lassen. Dazu wurden diese Dinge aufgeschrieben.

Wir haben mehr Licht als die Heiligen des Alten Testamentes und sollten trotz natürlicher Schwierigkeiten gehorchen
Die Analogie des Glaubens lässt nur eine Schlussfolgerung aus den vorangegangenen Beobachtungen zu. Die Haushaltung des Alten Testaments galt auf das Volk bezogen besonders zeitlichen Segnungen. In diesem verhältnismäßig schwachen Licht wurde Vertrauen selbst da gefordert, wo der äußere Anschein dagegen sprach. Deshalb können wir erst recht erwarten, dass solches Vertrauen in dem hellen Licht des Evangeliums gefordert wird. Denn die jetzige Haushaltung stellt zeitliches Wohlergehen und zeitliche Unterschiede ganz und gar in den Schatten.

Der Ungehorsam der Juden beraubte sie nicht nur der unmittelbaren Segnungen, die dem Gehorsam verheißen waren. Er verhinderte auch, dass die göttliche Vorsehung für sie in beeindruckender Weise sichtbar wurde. Denn es gab kein Korn für drei Jahre und auch keinen Schutz für ihre Familien, während sie in Jerusalem waren, weil sie nicht gehorchten.

So verlieren auch wir die gewinnenden Beweise der Liebe Gottes, wenn es uns an Vertrauen zu Ihm mangelt. Wenn wir Vertrauen in Seine Verheißungen hätten, empfingen wir aus Seiner offenen und übervollen Hand.

Was für Prediger der Gerechtigkeit hätten jene Juden sein können, wenn sie den Geboten ihres Gottes gehorcht hätten! Was für eine Predigt über Gottes Fürsorge wäre die Versorgung für drei Jahre und der wunderbare Schutz ihrer Grenzen für all die Heiden um sie herum gewesen!

Wir glauben unseren Mitmenschen, aber wir fürchten uns, Gott zu vertrauen
Es ist wohl wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass wir uns nur fürchten, Gott zu vertrauen. Wenn wir keinen Zweifel an der Zuverlässigkeit eines Menschen haben, vertrauen wir ihm ohne Furcht.

Stell dir vor, einer der Herrscher dieser Welt hätte ein mühsames Unternehmen auszuführen. Alle, die damit betraut sind, müssen ihm ihre ungeteilte Sorge und Aufmerksamkeit widmen. Nun sagt er zu seinen Dienern: »Kümmert euch fortwährend nur um die Sache, die ich euch anvertraut habe. Lasst euch nicht durch die Frage eurer Versorgung ablenken. Darum werde ich mich ausreichend kümmern.” Es gäbe viele Kandidaten! Es würde sich eifrig und mit großem Vertrauen beworben! Außerdem würde man erkennen, wie zielstrebig der ganze Plan ausgerichtet ist, und seine Weisheit loben.
Nun hat der König des Himmels Seine Liebe für uns in dem Opfer Seines Sohnes offenbart. Wenn Er von uns ein ähnliches Vertrauen erwartet, schämen wir uns nicht, es zu verweigern.

Unser Herr sagt: »Sammelt nicht Schätze auf der Erde.« Er will erreichen, dass unser Auge einfältig in Seinem Dienst steht und der ganze Leib Licht ist, um Gutes und Böses zu unterscheiden. Er sagt ausdrücklich: »So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen? oder: Was sollen wir trinken? oder: Was sollen wir anziehen? … Trachtet aber zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.« Wir aber sehen die Weisheit und die Güte Seines Planes nicht.
Wir beginnen, Seine Unterweisungen wegzuerklären. Wir zögern, wenn es um die Bedeutung Seiner Verheißungen geht. Wir weisen das Vorrecht weit von uns, daran zu glauben, dass der über uns wacht, der nicht schläft noch schlummert. Warum denn dieses Vertrauen auf Menschen, deren Atem in ihrer Nase ist, die nicht da sind zur Zeit des Unglücks? Warum dieses fehlende Vertrauen Gott gegenüber, der der Allmächtige ist, der wirklich gegenwärtig ist, wenn Schwierigkeiten kommen? 12

Kommt es nicht aus der Furcht, Er könnte für uns und die Unsrigen das gleiche Los wählen wie für den Sohn Seiner Liebe, wenn wir Ihm und Seiner Fürsorge ganz vertrauten?

Stecken nicht unsere geheimen Wünsche dahinter, dass wir unseren Willen haben wollen und nicht Seinen? Es ist nicht im Interesse eines ungeratenen Kindes, wenn die Kontrolle eines hervorragenden Vaters fehlt. Und wir können versichert sein, dass es auch nicht in unserem Interesse ist, wenn wir sagen können: »Seele, du hast viele Güter daliegen auf viele Jahre.«

Unser ernsthafter Wunsch sollte sein, täglich im Glauben leben zu müssen
Ich bin von dieser Wahrheit so sehr überzeugt, dass ich mit ganzem Herzen für mich und alle, die mir nahe stehen und lieb sind, um Lebensumstände beten kann, die uns zwingen, Tag für Tag im Glauben an die göttliche Verheißung zu leben.13

»Die Gottseligkeit mit Genügsamkeit«, sagt der Apostel, »ist ein großer Gewinn; denn wir haben nichts in die Welt hineingebracht, so ist es offenbar, dass wir auch nichts hin ausbringen können. Wenn wir aber Nahrung und Bedeckung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen.

Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Lüste, welche die Menschen versenken in Verderben und Untergang. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, welcher nachtrachtend etliche vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben.
Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glaube, Liebe, Aus harren, Sanftmut des Geistes« (1. Timotheus 6,6-11).

Lasst uns deshalb teilhaben »an den Trübsalen als ein guter Kriegsmann Jesu Christi«, wissend, dass »niemand, der Kriegsdienste tut«, sich verwickelt »in die Beschäftigungen des Lebens, auf dass er dem gefalle, der ihn angeworben hat« (2. Timotheus 2,3-4).

Wir müssen uns diesem Wort stellen
Wir können die Lehre des Herrn anzweifeln und in der Finsternis wandeln oder sie einfach annehmen und in Seinem Licht wandeln

Nun bin ich mir dessen bewusst, dass meine Ausführungen viele nicht zufrieden stellen werden. Auch ich war in den vergangenen Zeiten dahin gekommen, dass ich wünschte, einige Abschnitte (wie 1. Timotheus 5,8 und 2. Korinther 12,14) ließen eine klarere Auslegung zu. Noch lieber wäre mir gewesen, sie müssten überhaupt nicht ausgelegt werden. Darum werde ich mich jetzt bemühen, kurz zu erklären, was ich für den Grundsatz der Offenbarung des Neuen Testamentes halte.

Ich will nicht den Logiker mit einer unwiderstehlichen Kette von Annahmen und Folgerungen versorgen, sondern das Kind Gottes mit einem Licht für den Sinn Seines Vaters. Wenn daher ein Mensch streiten und sich dem leichten und sanften Joch der Liebe Christi entziehen will, so (mag und) wird er in der Finsternis wandeln. Das Kind dagegen wird in seiner Einfachheit von einer Flut von Licht umgeben sein. Dies gilt für alle Belehrungen der Schrift, sei es die Gottheit unseres Herrn, des Herrn Tag, der Grundsatz der Gemeinschaft, die Gemeindezucht oder das buchstäbliche Annehmen Seines Gebotes, alles aufzugeben.

Es gibt eine Reihe von Gründen, die zeigen, dass der Herr will, dass wir Sein Gebot gegen das Sammeln von Schätzen wörtlich nehmen
Der Heiland sprach buchstäbliche Wahrheiten aus, von denen Er wollte, dass sie buchstäblich verstanden werden, wenn Er sagte: »Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde« und »Verkaufe alles, was du hast«. Ich werde die Gründe kurz wiederholen, warum ich mir darin so sicher bin:

Er befahl dem reichen Jüngling, es zu tun.
Er lobte die alte Witwe, weil sie es tat.
Die Apostel und alle, die glaubten, taten es und verkauften ihre Güter, Häuser und Felder.
Ohne diese Hingabe ist es unmöglich, das Gebot »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« anzunehmen.
Es trägt offenkundig zur Ausdehnung des Reiches Gottes auf dieser Erde bei und macht den Einzelnen in gleichem Maße glücklich und nützlich. Denn es beseitigt Sorge und Faulheit und lässt im Überfluss 14 die Früchte der Gerechtigkeit und Liebe wachsen.
Wir sollten dem Herrn Jesus alles unterwerfen, um Seine Verherrlichung zu erreichen, denn sie ist das Ziel des Lebens
Was verstehe ich unter »alles für Christus aufgeben«? Christus wirklich unterworfen ist der, der in seinem rechtschaffenen Beruf arbeitet und emsig und unermüdlich tut, was er kann, um den bekannten, aufgeschriebenen Willen Seines Herrn und Heilandes zu erfüllen.

Er macht es nicht wie viele andere, die allein deshalb arbeiten, damit sie sich ihre Wünsche erfüllen können, oder weil sie darauf aus sind, sich und ihre Familie gegen zukünftige Zufälle abzusichern.15
Er setzt seine Zeit, seine Begabungen, seine Mittel und seine Gebete ein und arbeitet sorgfältig, um den Willen des Herrn zu tun. Auf Sein Wort hin wird er auch für die Seelen (und Leiber) der Menschen arbeiten, danach streben, dass seine Mitmenschen glücklich werden für Zeit und Ewigkeit, und ihnen von dem erzählen, der »der Weg und die Wahrheit und das Leben« ist (Johannes 14,6).

Wenn jemand seine »Häuser und Äcker« nicht verkaufen will, so bleibt es seine Sache, die Beweggründe zu beur teilen, die ihn veranlassen, seinen Besitz zu behalten. Er mag sie mit denen vergleichen, die Wir müssen uns diesem Wort stellen den reichen Jüngling veranlassten, nicht von seinem Besitz zu lassen.
Hält er ihn aus irgendwelchen persönlichen Empfindungen zurück, die das Wort Gottes nicht stützt? Verfolgt er diesen Weg, ohne davon völlig überzeugt zu sein, dass er so unmittelbar wie möglich die Gedanken Christi erfüllt? Welchen Beweis hat er, wenn der Tag des Gerichts anbricht und die Bücher geöffnet werden, dass er weise, wahrhaftig und im Rahmen seiner Berechtigung gehandelt hat? Die Millionen, die so denken wie er und ihren Plänen folgen, und auch das Wissen und die Autorität, auf deren Unterstützung sie sich berufen, werden jedenfalls kein Beweis sein.

Der Grundsatz, den ich hier aus der Heiligen Schrift herausstellen möchte, fordert niemanden auf, das Umfeld zu verlassen, in dem er von Nutzen ist. Allerdings wird dies dann zwingend notwendig, wenn er in seinem Gewissen überzeugt ist, dass er in einen anderen Bereich gerufen ist, wo er mehr für die große Sache erreichen kann, für die er lebt.

Das Ziel seines Lebens ist die Verherrlichung Jesu und das Sammeln Seiner Schafe. Wenn er auch seinen gegenwärtigen Beruf nicht aufgeben muss, so muss dieser doch auf dieses eine Ziel ausgerichtet sein. In dieser Frage gibt es keinen Kompromiss.

Leiden oder Opfer sollten uns nicht hindern, Gottes Willen zu tun
Niemand kann bezweifeln, dass es in unserem Leben zu großen Schwierigkeiten kommen kann, wenn wir den Grundsatz von Herzen annehmen und alles verkaufen und (es) den Armen geben. Davon geht jeder aus, der die Geschichte des Evangeliums kennt oder überhaupt etwas davon weiß, dass die menschliche Natur dem Wesen des Reiches Christi entgegensteht.

In der Geschichte dieser Welt werden große Dinge nur durch große Opfer erreicht. Unser Herr hat uns kein Leben versprochen, das frei von Leiden und Opfern ist, und die Apostel haben ein solches nicht genossen. Sie haben so ein Leben noch nicht einmal erwartet. Aber sie waren immer bereit, in der Erwartung des gewissen Wortes zu leben, dass wir auch mit Ihm herrschen werden, wenn wir mit Ihm leiden.

Es sollte deshalb keine Rolle für uns spielen, ob wir bei der buchstäblichen Erfüllung des Gebotes unseres Herrn Leiden und Beraubung zu erwarten haben. Unsere Frage muss lauten: »Ist es das Gebot Dessen, Der uns so sehr geliebt hat, dass Er uns nur zu etwas auffordert, das gut für uns ist?«

Wir sollten fragen, ob Er nicht als unumschränkter Herr scher bestimmt hat, dass die Beachtung dieses Gebotes Sein Reich ausbreiten und Seine Verherrlichung fördern soll. Das würde zumindest die Gemeinde aus der Position herausholen, in der sie jetzt zu ihrer Schande steht. Denn sie arbeitet mit Geschem und Sanballat zusammen, um die Mauern Jerusalems aufzubauen. Sie sollte aber voll Freude sagen: »Wir wollen das Werk des Herrn allein tun.«
Weiter sollten wir fragen, ob es nicht jedes Opfer wert ist, die Schafe Christi aus einer verlorenen Welt herauszusammeln. Ist nicht ein einziges Schaf bereits jedes Opfer wert, das Er von uns fordert? Lassen uns die Mittel und Wege, die der Herr bestimmt hat, nicht dieses Ziel erreichen?

Können wir vom Wort der Wahrheit her antworten: »Ohne jeden Zweifel«? Dann sollten Unannehmlichkeiten, Gefahren und Schwierigkeiten nicht zählen. »Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe. «

Wir wollen die Sache aufrichtig angehen, was auch immer die Welt denken mag
Wenn die Welt uns für verrückt hält, dann müssen wir mit dem Apostel sagen: »Denn es sei, dass wir außer uns sind, so sind wir es Gott; sei es, dass wir vernünftig sind – euch. Denn die Liebe des Christus drängt uns, indem wir also geurteilt haben, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. Und er ist für alle gestorben, auf dass sie nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden« (2. Korinther 5,13-15).

So lege ich diese Frage also denen vor, die den Herrn Jesus in Aufrichtigkeit lieben und wünschen, dass Sein Name auf der Erde gepriesen wird. Ich lege sie denen vor, die sehen, dass die Ernte groß ist und der Arbeiter wenige sind. Solche bitten den Herrn der Ernte fortwährend, dass Er mehr Arbeiter in Seine Ernte aussende und die Gemeinde mehr mit Seinem Heiligen Geist erfülle.

Das allein wird die Gemeinde mit Herzensentschluss und emsigem Tun auf den Tag hin arbeiten lassen, wenn der Herr kommen wird, um verherrlicht zu werden in allen Seinen Heiligen und bewundert zu werden in all denen, die geglaubt haben.

Möchte der Herr unsere Herzen erfüllen mit der Liebe Gottes und dem geduldigen Warten auf Christus, damit Er uns wachend findet, wenn Er kommt. Sei es, dass wir leben bis zu Seinem Kommen oder vorher gehen, wir werden entrückt werden und so allezeit bei dem Herrn sein. Und wir werden mit Ihm kommen am Tage Seiner Verherrlichung. Amen.

Drei Verse, die dieses Wort einschränken?
Ich wende mich nun noch den drei Versen zu, die gewöhnlich angeführt werden, um die Anhäufung von Reichtum zu rechtfertigen.
Ich beginne mit der einzigen Vorschrift des Neuen Testamentes, die dem zu widersprechen scheint, was bis jetzt gesagt wurde. Ich tue dies aus zwei Gründen:

Ich will der Eilfertigkeit begegnen, mit der sie angeführt wird, um die im Übrigen eindeutige allgemeine Lehre des Neuen Testamentes zu entkräften.
Ich will beweisen, dass sie weit davon entfernt ist, dem Grundsatz zu widersprechen, für den ich eintrete, und sogar dazu beiträgt, ihn noch deutlicher zu machen.
Der Text, von dem ich spreche, steht in 1. Timotheus 5,8. Dort gibt Paulus grundsätzliche Anweisungen bezüglich der Fürsorge, die den Witwen zusteht. Dabei unterscheidet er zwischen den Witwen, für die die Gemeinde bzw. die Verwandten sorgen müssen. Bezüglich der letzteren sagt er: »Wenn aber jemand für die Seinigen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlechter als ein Ungläubiger.«

Hammond umschreibt diesen Vers: »Sorgt irgendjemand, Mann oder Frau, nicht für die Seinigen, so steht er im Gegensatz zu dem Gebot Christi. Er erfüllt die Pflicht nicht, die er gegenüber seinen Eltern hat. Diese haben ein Recht, in seinem Haus zu wohnen. Der Anstand verlangt, für sie zu sorgen, sich um sie zu kümmern und ihnen zu helfen, falls er dazu in der Lage ist. Selbst Ungläubige sind von dieser Verpflichtung überzeugt.«

In seiner Anmerkung fügt er hinzu: »Sorgen bedeutet hier nicht sorgfältige und umsichtige Vorsorge. Es bedeutet lediglich, sich um das Gegenwärtige zu kümmern, wie wir dazu in der Lage sind. Wir sollen ihnen helfen, für sie sorgen und ihnen geben, was sie brauchen.«

Whitby sagt in seiner Anmerkung zu demselben Vers: »Hier machen sich einige eines großen Fehlers schuldig. Sie kratzen große Vermögen zusammen und horten sie für ihre Kinder. Sie vernachlässigen auf unanständige Weise die praktische Liebe gegen ihre Brüder. Diese Liebe aber kann allein das heiligen, was sie genießen, und sie befähigen, sich eine gute Grundlage für die kommenden Zeitalter zu schaffen. Sie berufen sich auf diese Worte, um ihren schmutzigen Geiz und ihren Mangel an praktischer Liebe zu entschuldigen. Sie sagen, dass der, der ›für die Hausgenossen nicht sorgt, den Glauben verleugnet und schlechter ist als ein Ungläubiger‹. Doch diese Worte sprechen eindeutig von der Fürsorge, die Eltern von ihren Kindern erhalten sollen. Sie sprechen überhaupt nicht von der Fürsorge, die Kinder von ihren Eltern erhalten sollen.«

So schreiben auch Doddrige, Scott und Pole in ihrer Synopsis zu diesem Vers. Die Bedeutung dieses Textes ist also ganz einfach: Sorgt jemand nicht für die Bedürfnisse seiner alt gewordenen Verwandten, dann ist er schlimmer als ein Ungläubiger. Denn selbst die Heiden erkennen, dass dies eine Pflicht ist. Hier wird geboten zu geben. Hier wird nicht geboten zu sammeln. Es besteht also völlige Übereinstimmung mit dem Gebot: »Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde.«

Einige wollen die Stelle »Seid vorsorglich für das, was ehrbar ist vor den Menschen« (Römer 12,17) in ihren Dienst zwingen, weil sie nichts finden, was sie wirksam unterstützt. Ich verweise auf die oben angeführten Schreiber. Es ist klar und deutlich, dass sich diese Stelle nur auf die Schönheit des Charakters bezieht, der sich für einen Christen geziemt und ihn anziehend macht. Ich verweise auch auf die Auslegung, die die Schrift selbst in Philipper 4,8 und 2. Korinther 8,21 gibt.

Ich werde nun noch einige Gedanken zu 2. Korinther 12,14 sagen. Denn ich will alle Beweise zusammentragen, die tatsächlich oder bei entsprechender Auslegung aus der Schrift gegen die Sicht vorgebracht werden können, die ich in diesem Buch vertrete.

Mit diesem Abschnitt wollen wir uns eingehender beschäftigen. Er scheint wirklich einige Schwierigkeiten zu bereiten. »Siehe«, sagt der Apostel, »dieses dritte Mal stehe ich bereit, zu euch zu kommen, und werde nicht zur Last fallen, denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Denn die Kinder sollen nicht für die Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern für ihre Kinder.«

Die Schwierigkeit, auf die ich hinwies, besteht darin zu entscheiden, was der Apostel mit dieser Veranschaulichung meint. Fast am Ende des ersten Briefes an die Korinther gibt er ihnen eine Vorschrift, die er allen Gemeinden gab, die er gründete: Sie sollten an jedem Tag des Herrn für die Bedürfnisse der armen Heiligen zurücklegen, wie ihnen der Herr Gelingen gab. Aus den Bemerkungen des Apostels im zweiten Brief an die Korinther scheint hervorzugehen, dass da solche waren, die ihm schlechte Beweggründe unterstellen wollten, als ob er von dem Gesammelten seinen Anteil beanspruchte. Dagegen stellt er klar, dass er kein Interesse daran hat, von ihnen versorgt zu werden.
Er sagt ihnen jedoch, dass er es nicht deshalb ablehne, von ihnen etwas anzunehmen, weil er sie weniger liebe als die anderen Gemeinden, die ihn mehrfach durch ihre Freigebigkeit versorgt hatten. Er wollte nur denen jede Gele genheit nehmen, die danach suchten, seine Beweggründe als böse zu bezeichnen. Auch im nächsten Kapitel weist er wieder den Vorwurf zurück, er habe Anteil an dem, was sie zurückgelegt hatten, wenn er sie ermutigte, für die Bedürfnisse der armen Heiligen in Judäa zu sorgen.

Hierzu benutzt er ein Bild, das er dem allgemeinen Verhalten der Menschen entnimmt. »Die Kinder«, sagt er, »sollen nicht für die Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern für die Kinder.« Er benutzt dieses Bild, wie er auch viele andere benutzt hat. Er vergleicht ja zum Beispiel den Lauf des Christen mit den Umständen und dem Tun der Teilnehmer der Olympischen Spiele.
Zum Verständnis dieses Bildes ist es wichtig, dass Paulus hier nicht von seiner Vorsorge für zukünftige Bedürfnisse spricht, um die allein es in diesem Buch geht, sondern von den Bedürfnissen, die tatsächlich gegenwärtig vorhanden sind. Der Apostel beginnt damit, dass er versichert, die Kinder sollten nicht für die Eltern sorgen. Er meint damit die gegenwärtigen Bedürfnisse der Eltern von kleinen Kindern. Wäre dies nicht die Bedeutung, so ständen diese Worte in keiner Beziehung zu der Frage, die zwischen dem Apostel und den Korinthern zu klären war. Das Bild hörte auf, ein Bild zu sein, denn es geht ihm hier nur um gegenwärtige Bedürfnisse auf der einen Seite und gegenwärtige Versorgung auf der anderen.

Es geht ihm allein darum, ihnen nicht wehzutun, wenn er ihre Gabe ablehnt. Denn gerade aus diesem Brief geht klar hervor, dass er sich von anderen Gemeinden durchaus unterstützen ließ. Und er war ebenso der geistliche Vater der Gemeinde in Korinth wie der der anderen Gemeinden. Jene lobt er wegen der Besorgnis, die sie fühlten, und der Hilfe, die sie gewährten. Von den Korinthern aber lehnt er jede finanzielle Hilfe ab, als wären sie nicht verpflichtet zu geben, und als wäre es unpassend für ihn, von ihnen etwas anzunehmen. Es scheint ihm nicht zu gefallen, ihnen den besonderen Grund ins Gedächtnis rufen zu müssen, aus dem er ihre Gabe zurückweist. So bedient er sich der allgemeinen Beziehung, ihr geistlicher Vater zu sein.

Lies doch von 2. Korinther 8 bis zum Schluss des Briefes. Das wird dir völlig zufriedenstellend zeigen, dass dem Apostel niemals der Gedanke kam, für zukünftige Bedürfnisse zu sammeln. Lies besonders den Teil von 2. Korinther 8, der beginnt: »Denn ihr kennet die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, da er reich war, um euretwillen arm wurde«, und der endet: »Wie geschrieben steht: Wer viel sammelte, hatte nicht Überfluss, und wer wenig sammelte, hatte nicht Mangel.«

Anmerkungen
(1) Ich möchte nicht so verstanden werden, als wolle ich andeuten, dass der Erfolg des Evangeliums in dieser sichtbaren Liebe begründet liegt. Ich behaupte lediglich, dass sie das Mittel war, durch das der allmächtige Heilige Geist in den früheren Zeitaltern die wunderbare Ausbreitung des Reiches Christi erreichte.
Ich will auch noch darauf eingehen, warum ich nicht häufiger davor warne, die in diesem Buch behandelte Übergabe für die Grundlage der Rechtfertigung vor Gott zu halten. Dies liegt einfach daran, dass ich in erster Linie für die schreibe, die wegen der Fülle und Freiheit der Errettung in allem gehorchen wollen. Ich glaube, dass die Übergabe, von der ich spreche, ein Teil des Gehorsams ist. Wenn ich dazu dränge, so plane ich natürlich nicht, Gläubige von der Bewunderung einer vollen und freien Errettung abzubringen. Ich gehe vielmehr davon aus, dass sie sich bereits damit beschäftigen. Sie sollen daran festhalten, dass nur dies sie dazu treibt, in allem Dem zu leben, Der für uns starb.

(2) Auf die Texte, die diesen Punkt scheinbar aus einem anderen Blickwinkel sehen, gehe ich in einer Anmerkung am Schluss dieses Buches ein. Ich denke an Texte wie: »Wenn aber jemand für die Seinigen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt«; »Denn die Kinder sollen nicht Schätze für die Eltern sammeln, sondern die Eltern für die Kinder«; »Seid vorsorglich für das, was ehrbar ist vor den Menschen« usw.

(3) »Er konnte nicht sagen, in wessen Hände sein Reichtum kommen würde. Es wäre auch kein Trost für ihn gewesen zu wissen, dass seine Kinder oder Freunde ihn besitzen werden, wo er doch von all dem, was er liebte und vergötterte, weggerissen und in den Abgrund des Verderbens geworfen werden würde. Hinzu kam, dass sie vielleicht auch auf dem Weg zu diesem furcht baren Ende waren« (Scott).
»Besitztümer sind wohl nützlich für den Lebensunterhalt, doch kein Mensch kann sein Leben verlängern. Er kann es auch nicht dadurch glücklicher oder angenehmer machen, dass er mehr besitzt, als er braucht und nutzt, das heißt durch überflüssigen Reichtum. Es gibt für den Reichtum dieser Welt nur einen einzigen guten Weg: ihn für den Dienst Gottes und zum Nutzen und Trost anderer verkaufen und verteilen« (Hammond).

(4) Dieser Aufsatz scheint sich mehr auf die zu beziehen, die viel zu geben haben, als auf die, die nur wenig haben. Was der Apostel sagt, um zur Arbeit zu ermutigen, kann dennoch auf jeden Menschen angewandt werden, auch auf den, der in einfachsten Verhältnissen lebt. »(Er) arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, auf dass er dem Dürftigen mitzuteilen habe« (Epheser 4,28). »Ich habe niemandes Silber oder Gold oder Kleidung begehrt. Ihr selbst wisset, dass meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch alles gezeigt, dass man, also arbeitend, sich der Schwachen annehmen und eingedenk sein müsse der Worte des Herrn Jesus, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen« (Apostelgeschichte 20,33-35).

(5) »Und was soll ich noch sagen? Denn die Zeit würde mir fehlen, wenn ich erzählen wollte von Gideon und Barak und Simson und Jephta und David und Samuel und den Propheten, welche durch den Glauben Königreiche bezwangen, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten, der Löwen Rachen verstopften, des Feuers Kraft auslöschten, des Schwertes Schärfe entgingen, aus der Schwachheit Kraft gewannen, im Kampfe stark wurden, der Fremden Heerscharen zurücktrieben.
Weiber erhielten ihre Toten wieder durch Auferstehung; andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, auf dass sie eine bessere Auferstehung erlangten. Andere aber wurden durch Verhöhnung und Geißelung versucht und dazu durch Bande und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, starben durch den Tod des Schwertes, gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach, (deren die Welt nicht wert war), irrten umher in Wüsten und Gebirgen und Klüften und Höhlen der Erde« (Hebräer 11,32-38).

(6) »Ich sehe hier Eltern, die arbeiten Tag und Nacht. ›Was tust du da?‹ ›Ich habe eine große Familie mit vielen Kindern. Ich möchte für sie etwas zurücklegen.‹ ›Warum legst du dann nicht wirklich etwas für sie zurück? Willst du ein wenig Staub sammeln und das ein Erbteil nennen? Ist das ein Erbteil für eine unsterbliche Seele? Eher hängst du damit einen Mühlstein um den Hals deiner Kinder, der sie noch tiefer ins Verderben sinken lässt. So kannst du erreichen, dass sie sich in die Welt stürzen! Und dort werden sie verschleudern, was du gesammelt und ein Erbteil genannt hast. ›Der Herr ist mein Teil, sagt meine Seele‹, spricht David. Solange du deine Kinder nicht in dieses Erbteil geführt hast, hast du nicht richtig für sie gesorgt‹« (Cecil).

(7) »Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben dargelegt hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder unser Leben darzulegen. Wer aber der Welt Güter hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?« (Johannes 3,16-17). Und wie bleibt die Liebe Gottes in dem, der seine Mitmenschen zu Millionen durch Unwissenheit – diesen Hunger der Seelen – verderben sieht, ohne jede nur mögliche Anstrengung unternommen und jedes nur mögliche Opfer gebracht zu haben, damit sie das Brot des Lebens erhalten.

(8) Das Motto des Christen sollte sein: »Arbeite hart, verbrauche wenig, gib viel. Tue dies alles für Christum.«

(9) Warum sollte ich mich fürchten in Tagen des Übels, wenn die Ungerechtigkeit derer, die mir auf den Fersen sind, mich umringt, welche auf ihr Vermögen vertrauen und der Größe ihres Reichtums sich rühmen? Keineswegs vermag jemand seinen Bruder zu erlösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben, (denn kostbar ist die Errettung ihrer Seele, und er muss davon abstehen auf ewig) dass er fortlebe immerdar, die Grube nicht sehe.
Denn er sieht die Weisen sterben, dass der Tor und der Unvernünftige miteinander umkommen und andern ihr Vermögen lassen. Ihr Gedanke ist, dass ihre Häuser stehen in Ewigkeit, ihre Wohnungen von Geschlecht zu Geschlecht; sie nennen Ländereien nach ihrem Namen. Doch der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird. Dieser Weg ist Torheit; und die nach ihnen kommen haben Wohlgefallen an ihren Worten.
… Die lauter sind … werden nicht beschämt werden in der Zeit des Übels, und in den Tagen des Hungers werden sie gesättigt werden … Ich war jung und ich bin auch alt geworden, und nie sah ich den Gerechten verlassen, noch seinen Samen nach Brot gehen« (Psalm 49,5-13; 37,19.25).
»Gott hat mich ernährt«, sagt Scott, »mein Leben lang. Ich sterbe, aber Gott kann ohne mich für meine Kinder und Kindeskinder sorgen. Doch ich kann es nicht ohne Ihn.
Seitdem ich hierher kam, habe ich in keinem Jahr einen Überschuss von hundert Dollar gehabt (von meinem Haus abgesehen). Aber der Herr hat gesorgt. Ich lebe im Überfluss und kann etwas geben. Wenn mehr Geld gut für mich wäre, würde der Herr es mir geben.«
Dann spricht er von der »fleischlichen« Besorgnis mancher Eltern für das zeitliche Wohlergehen ihrer Kinder. Er wendet es wohl besonders auf Geistliche an; doch es gilt ausnahmslos für jeden: »Ich frage mich, was Paulus auf dieser Grundlage wohl heute sagen würde, wenn er in seinen Tagen klagte: ›Alle suchen das Ihrige, nicht das, was Jesu Christi ist.‹ Ich habe lange darüber getrauert, dass wir Gott nicht täglich dienen können und es ihm überlassen, Tag für Tag für uns und die Unsrigen zu sorgen« (Scott’s Briefe, London, 1824; Seiten 296-297).

(10) Als Wohlhabende bezeichne ich die, die hohe Einkommen haben, im Gegensatz zu denen, die kaum ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit verdienen. Ich meine auch solche, die Erbschaften gemacht haben.

(11) Viele mögen jetzt sagen: »Diese zehn Gebote sind so klar, dass man sie nicht missverstehen kann. Aber die Gebote, um die es in diesem Buch geht, sind es nicht.«
Wir sollten ein wenig tiefer in unsere Herzen blicken. Dann werden wir vielleicht herausfinden, dass die einen Tatsachen für uns so klar sind, weil sie für uns keine mühevollen Folgen haben, und die anderen so unklar, weil solche Folgen unvermeidbar scheinen. Dann haben wir aber die herrliche Freiheit noch nicht gelernt, ganz von Christus abhängig zu sein und ihm alles zu unter werfen.
Vom Himmel aus gesehen, sind die Gebote, die dieses Buch behandelt, ebenso klar und ebenso Gebote (oder besser Vor rechte) der Heiligen. Daran zweifle ich nicht.

(12) Die Gesinnung und das Verhalten unseres Herrn waren ganz anders! Fürchtete Er sich, Seine verwitwete Mutter ohne zeitliche Versorgung der Fürsorge und Vorsehung Gottes zu überlassen? Nein! Er überließ sie unversorgt einem unversorgten (Apostelgeschichte 3,6) Jünger. Er tat dies außerdem zu einer Zeit, als es ziemlich unwahrscheinlich war, dass angenehme Umstände ihrer warteten. Er wusste vielmehr, dass ihnen Schwierigkeiten und Gefahren auf Schritt und Tritt begegnen würden.
Wäre es die Pflicht eines Kindes, im Voraus zu sammeln, so fänden wir diese Tugend bei unserem Heiland. Er hätte sie mit all den anderen Tugenden Seines Charakters deutlich sichtbar gemacht. Wusste Er doch, dass wir Seinem Beispiel folgen sollten.
So handelte Er. Warum zögern wir, Seinen Schritten zu folgen? Er kannte die Wahrheit und das Wesen und Ausmaß der Verheißungen Gottes. Wir aber zweifeln sie an oder leugnen sie. Einige aber sind da, die sagen: »Der Herr versorgte sie doch auf diese Weise.« Ja, das tat Er mit eben der Versorgung, die Gott für jeden hat, der Ihm vertraut. Gott versorgt die Seinen genau dann, wenn es not wendig ist.

(13) Und ich werde in deiner Mitte ein elendes und armes Volk übrig lassen, und sie werden auf den Namen des Herrn vertrauen … Sie werden weiden und lagern, und niemand wird sie aufschrecken« (Zephanja 3,12-13).

(14) »Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten. Ein jeder, wie er sich in seinem Herzen vorsetzt: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber ist mächtig, jede Gnade gegenüber euch überströmen zu lassen, auf dass ihr in allem, allezeit alle Genüge habend, überströmend seid zu jedem guten Werke; wie geschrieben steht: Er hat ausgestreut, er hat den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit. Der aber den Samen darreicht dem Sämann und Brot zur Speise, wird eure Saat darreichen und überströmend machen und in die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen, indem ihr in allem reich geworden seid zu aller Freigebigkeit, welche durch uns Gott Danksagung bewirkt. Denn die Bedienung dieses Dienstes ist nicht nur die Erfüllung des Mangels der Heiligen, sondern ist auch über strömend durch viele Danksagungen gegen Gott« (2. Korinther 9,6-12).

(15) In der Vorsorge für eventuelle zukünftige Bedürfnisse stehen die Christen und die Menschen dieser Welt auf demselben Boden, verfolgen dasselbe Ziel und lassen sich von denselben Grundsätzen leiten. Dieser Teil unserer Pflicht, wenn es wirklich eine ist, entspricht auch ganz und gar unserer natürlichen Neigung. Es wäre eine Untersuchung von nicht geringer Bedeutung, festzustellen, woran das liegt.

(16) Der Grundsatz, den ich hier vertrete, schließt in keiner Weise Unternehm(ung)en aus, für die man große Mittel braucht. Doch so, wie der Knecht seinem Herrn die Zinsen der zehn Talente brachte, so lebt und arbeitet der christliche Kaufmann als ein Knecht, der von seinem Herrn erworben wurde. Er betrachtet seine Gewinne nicht als eigene Vergütung, denn sie sind für den Dienst Seines Herrn bestimmt. Handelt er so, dann hat er alles für Christus aufgegeben, ganz gleich, wo er stehen mag.
Er bleibt nicht zu seinem eigenen Vorteil, wo er ist. Er bleibt dort als ein treuer Diener, um die reiche Fülle auszugießen, die Gott seiner Arbeit hinzufügt. Dadurch wird die Gemeinde genährt und auferbaut. Auch dehnt er so die Grenzen des Reiches Seines Herrn aus.
Er hat dem ärmeren Bruder gegenüber nur einen einzigen Vorteil: Er hat mit jedem Schritt, den er vorangeht, mehr Sorgen. Er hat sie um Christi willen. Das versüßt sie und macht ihn frei von persönlichem Ehrgeiz, »nach oben« zu kommen. Sein Pflichtgefühl lässt ihn nach mehr streben, um den Bedürftigen mehr geben zu können.
Die großen Spenden und Reden der Reichen verschwänden. Sie wären nicht mehr nötig, denn eine tatsächliche Übergabe beinhaltet mehr Gründe als tausend Reden derer, die den ganzen Luxus des Lebens haben. Sie hilft mehr als zehntausend Euro. Es bliebe etwas für die Armen, und die Ärmsten brächten ihre gesegneten zwei Scherflein.